5 Antworten von Marteria: Wie es ist Hoffnungsträger des deutschen HipHop zu sein

Daniel Weber

"Zum Glück in die Zukunft". So heißt das Album von Marteria, mit dem sich der Rapper aus Berlin im vergangenen Jahr in sämtliche Bestenlisten schoss. Charteinstieg auf Platz sieben, Lobpreisungen als Kritiken sowie eine erfolgreiche Tour. 2011 geht die Zukunft weiter und Marteria am Freitag zum Glück ins ausverkaufte Waldsee. Daniel hat sich vorher mit ihm unterhalten.



Das vergangene Jahr war ein äußerst erfolgreiches für Dich. Was bleibt als die prägende Erinnerung an 2010 übrig?


Das war das Live-Ding. Wir haben eine super schöne und erfolgreiche Tour gespielt und da viel Energie und Liebe rein gesteckt. Dann zu sehen, wie die Leute das annehmen und gut finden, was man ihnen bietet, das war ein tolles Gefühl. Es hat sich auch alles ganz natürlich und mit der Zeit entwickelt. In den Jahren davor sind wir über die ganzen kleinen Bühnen getingelt, jetzt sind Konzerte ausverkauft, wir haben in Berlin vor mehr als 1000 Leuten gespielt oder in Heidelberg ein unglaubliches Schlusskonzert der Tour auch vor ausverkauftem Haus gespielt. Es gibt noch viele solche schönen Beispiele, die in Erinnerung bleiben. Man wird jetzt für die Arbeit über die ganzen Jahre belohnt. Es passiert seit der Platte einfach so viel, das ist ein tolles Gefühl.

Das Bild vom Deutschrap, der sich jüngst nur noch um Goldketten, Chromfelgen und Gangstertum dreht, wurde ja zur Genüge gezeichnet. Du wurdest mit deiner Platte zu einem Hoffnungsträger für die Szene. Wie siehst du das?

Für mich war von Anfang wichtig, eine geile Hip Hop-Platte zu machen. Zu zeigen, dass das geht, dass im Hip Hop nicht nur Gangster unterwegs sind oder einfach alle bescheuert sind. Diese ganzen Plattitüden wollte ich widerlegen, deshalb habe ich zum Beispiel auch einem Schwulenmagazin ein Interview gegeben. Wieso denn nicht? Ich hatte einfach keine Lust, mich von dieser Musik abzuwenden, die ich liebe, und eine Singer-Songwriter Platte zu machen, nur weil im Hip Hop gerade nichts Neues passierte.

Ich denke, die Platte hat es am Ende aber geschafft, Leute im Hip Hop zu inspirieren. Es steckt wieder mehr Liebe drin. Man merkt, dass Künstler sich mehr Gedanken über ihre Texte machen. Auch im Gangsterrap. Da gibt es jetzt Künstler wie Nate 57 oder Haftbefehl, die beschreiben in ihren Texten, was bei ihnen im Kiez los ist. Und das machen sie mit einer ehrlichen Attitude, die ich dann auch gut finde. Das höre ich mir auch gerne an, wenn ich merke, dass da was geboten wird, das echt ist ohne falsche Images auskommt. Zudem hat es die Platte auch geschafft, eine Brücke zu Leuten zu schlagen, die mit Hip Hop nichts am Hut haben.

Zu deinem Erfolg trägt auch das Phänomen Social Media bei. Du hast auf Facebook inzwischen mehr als 60.000 Fans. Wie viel ist da Pflicht und wie viel Kür?

Das ist für mich insgesamt ein zwiespältiges Thema. So lange das Album arbeitet, muss das auf jeden Fall laufen und gemacht werden. Und das macht auch Spaß. Wir haben ja einen hohen Standard mit dem Videoblog der Tour gesetzt. Auf der anderen Seite muss man dann aber auch aufpassen, dass die Leute nicht zu viel von einem verlangen und immer alles über einen wissen wollen.

Man kann ja auch nicht immer einen Paul Ripke auf der ganzen Tour als Videoblogger dabei haben, der sonst ein sehr erfolgreicher Fotograf ist. Auf der aktuellen Tour kann Paul nicht dabei sein, deshalb haben wir einen Wettbewerb ausgeschrieben und jetzt wird in jeder Stadt der Tour ein anderer Videoblogger dabei sein, so dass es täglich neuen Stoff gibt. Wenn es dann nach der Tour bald mit den Festivals weitergeht, werden wir auf Facebook und Twitter auch weiter noch Action machen. Danach geht es aber nach Grenada, um eine neue Platte zu machen. Dorther kommt José aus meiner Band. Dann wird das Thema Social Media erstmal komplett beendet, bis wir wieder mit neuer Musik rauskommen.



Ist das nächste Projekt ein Album von Marsimoto, dem musikmachenden Alien mit der gepitchter Stimmer und dem Hang zum Cannabis-Konsm?

Das ist gut möglich, dass Marsi als nächstes was rausbringen wird. Eine Platte von ihm ist ja was ganz anderes als eine Marteria-Platte. Marsi lebt in einer anderen Welt. Da wird der Kopf ausgeschaltet und einfach drauf los gemacht. Da entstehen nur verrückte Lieder. So eine Platte kann ich in einem Monat machen. Die Texte zur ersten Marsi-Platte Halloziehnation habe ich in einer Woche geschrieben. Bei einer Marteria-Scheibe ist das komplett anders. Da sitze ich manchmal wochenlang an einem Text und schraube daran herum. Zum Glück in die Zukunft hat zwei Jahre gebraucht, bis es so war wie es geworden ist.

Du bist 28 und hattest vor deiner jetzigen Karriere sozusagen schon drei andere. Als talentierter Fußballer, der in der U17-Nationalmannschaft gekickt hat, danach zwei Jahre lange als Model in New York, und danach als Schauspielstudent in Berlin. Was hat den Ausschlag für die Musik gegeben?

Die große Konstante in meinem Leben war ja immer das Musikmachen. Meine ersten Texte habe ich geschrieben, da war ich 14, 15 Jahre alt. Und wenn man wirklich Liebe für eine Sache hat, dann gibt man das ja nicht auf. So war es bei mir mit der Musik. Ich habe zwar auch Erfolg als Fußballer gehabt und als Model gearbeitet und das hat beides auch einen Riesenspaß gemacht. Aber nur für eine bestimmte Zeit. Am Ende hat mir da die menschliche Ebene gefehlt. Ich war da in meinem Denken nicht frei, das wurde immer von den Umständen und den Vorgesetzten eingegrenzt. In der Musik ist das aber gar nicht so. Darin kann ich mich voll ausleben und verlieren.

Marteria - Sekundenschlaf

Quelle: YouTube
[youtube rlXUMMcXvzY nolink]

Marteria - Marteria Girl (Offizielles Video)

Quelle: YouTube
[youtube IqNeY_1VOPY nolink]

Mehr dazu:

Was: Marteria
Wann: Freitag, 11. Februar 2011, 21 Uhr
Wo: Waldsee
Tickets: Ausverkauft