5 Antworten: Herr Satici, wie läuft es mit dem Ramadan?

Elisabeth Kimmerle

Gestern hat der Ramadan begonnen. Einen Monat lang fasten Muslime weltweit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Sait Satici (35) begeht den Fastenmonat seit seinem zehnten Lebensjahr. Wir haben den Dönerverkäufer, der vor acht Jahren aus Adiyaman (Südosttürkei) nach Freiburg kam, an seinem Arbeitsplatz, dem Kebap Haus besucht.



Herr Satici, wieso fasten Sie?

Sait Satici: Das ist eine Aufgabe im Islam. Jeder Muslim muss fasten. So steht es im Koran. Für mich ist der Ramadan sehr wichtig. Im Monat des Ramadan sollte jeder gute Muslim fasten. Das Fasten reinigt den Menschen von allem Schlechten.

Welche Regeln muss man beachten, wenn man fastet?

Wenn jemand fastet, dann darf er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken. Geschlechtsverkehr und Rauchen sind auch nicht erlaubt. Im Ramadan darf man auch nichts Schlechtes über Andere sagen. Das Beste ist, man lässt den Mund einfach zu. Und man sollte mit den Mitmenschen gut umgehen. Wenn die Sonne untergeht, brechen wir das Fasten in der Familie oder in der Moschee - da gibt es im Ramadan kostenloses Essen. Man bekommt auch viele Einladungen von Freunden. Wir haben hier im Laden einen Ramadan-Kalender, in dem steht, wann die Sonne aufgeht und wann wir das Fasten brechen können. Das ändert sich jeden Tag ein bisschen, die Fastenzeit wird jeden Tag um zwei Minuten kürzer.

Was für Auswirkungen hat das Fasten auf Ihr Leben?

Eigentlich wenig, alles ist ganz normal. Es hat natürlich Auswirkungen, wenn man den ganzen Tag nichts trinkt, aber das ist keine große Einschränkung. Im Moment hilft uns ohnehin das Wetter, es regnet und ist kühl, da braucht man nichts zu trinken und zu essen. Wir essen morgens vor Sonnenaufgang ordentlich und trinken viel. Dann ist es auch kein Problem, den ganzen Tag zu fasten. Im Moment ist es jedenfalls ok. Heute ist ja erst der zweite Tag. Die ersten Tage hat man schon noch ein bisschen Hunger, bis sich der Körper an das Fasten gewöhnt hat.  

Sie stehen den ganzen Tag am Dönerspieß. Ist es schwer zu fasten, wenn man den ganzen Tag Essen zubereitet?

Wenn man arbeitet, ist es schwer. Aber für mich ist das kein Problem. Wenn man fastet, ist es immer schwerer zu arbeiten, weil man Hunger hat. Aber durch den Verzicht fühlt man sich auch gereinigt. Meine Arbeit beeinträchtigt das Fasten kaum, ich kann die gleiche Arbeit machen wie sonst auch. Ich faste sehr gern und freue mich auch jedes Jahr auf den Ramadan. Dieser Monat reinigt uns von unseren Sünden. Deshalb faste ich gern. So sollte es jeder Muslim machen.

Wie reagieren die Leute um Sie herum darauf, dass Sie fasten?

Die Deutschen wissen nicht, ob wir den Fastenmonat begehen oder nicht. Manche fragen auch, ob wir fasten. Die reagieren dann schon mal erstaunt, wenn wir sagen, dass der Ramadan einen ganzen Monat dauert. Einen Monat lang nichts essen?, fragen sie dann. Einige interessieren sich auch dafür, wie es ist zu fasten. Und die Muslime, die nicht fasten, tolerieren uns genauso wie wir sie. Das ist eine persönliche Sache, jeder muss für sich entscheiden, ob er fastet oder nicht.  

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