40 Stunden im Fahrstuhl gefangen

Aljoscha Harmsen

Was passiert, wenn ein Mensch über vierzig Stunden in einem Aufzug feststeckt? Nick Paumgarten hat für den "New Yorker" eine ausführliche Reportage über Aufzüge geschrieben und erzählt darin die Geschichte von Nicholas White, der mit einem Fahrstuhl stecken geblieben ist. Und zwar mehr als 40 Stunden lang.



Nicholas White arbeitet an einem Freitag Abend im Oktober 1999 noch spät im 43. Stockwerk eines Bürogebäudes in New York. Er fährt mit dem Fahrstuhl in die Lobby, um eine Zigarette zu rauchen. Er ist Produktionsleiter der Business Week und arbeitet im McGraw-Hill Building, einem an das Rockefeller-Building 1972 angebauten Turm. Nachdem er fertig ist, steigt er in Kabine 30 und drückt auf den Knopf mit der Aufschrift "43". Es handelt sich um einen Expressaufzug, der nicht vor dem 39 Stockwerk hält. Kurz nachdem der Aufzug startet, spürt White einen Ruck. Der Aufzug bewegt sich nicht mehr.


Die Reportage von Nick Paumgarten erzählt nun, wie verzweifelt Nicholas White die nächsten Stunden versucht, den Aufzug zu verlassen. Und eine Sicherheitskamera filmt ihn dabei. "It makes him look like a bug in a box", schreibt Paumgarten über den Film, der den 34-jährigen Angestellten dabei zeigt, wie er von einer Ecke des Fahrstuhls zur anderen läuft und versucht, über die verschlossene Deckenluke die Kabine zu verlassen.

Er stemmt sogar die Fahrstuhltür auf, nur um vor eine Mauer zu blicken. Der Fahrstuhl steckt zwischen dem 13. und dem 14. Stockwerk fest. Während er mit beiden Händen die Tür auseinanderdrückt, uriniert er, in der Hoffnung, irgendjemand würde diese Spur bemerken. Doch bald liegt er fast regungslos auf dem Boden. Er hat aufgegeben. 



Als nach über 40 Stunden White endlich aus der Kabine befreit wird, kehrt er nach Hause zurück und verlässt seine Wohnung kaum noch. Er verliert seinen Job und den Kontakt zu seinen ehemaligen Arbeitskollegen. In einen Prozess gegen das Gebäude-Management und den Fahrstuhlhersteller fordert er 25 Millionen Dollar, doch erhält nur eine weitaus geringere, knapp sechsstellige Summe, verliert seine Wohnung und ist seitdem auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle.

Warum der Fahrstuhl stecken geblieben ist, konnte nicht definitiv festgestellt werden.

Hier geht's zu der fantastischen Reportage und hier zum Video.

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