4. Freiburger Filmfest: Das Programm

Christian Beller

Am 20. Juli beginnt das 4. Freiburger Filmfest: Das Freiburger Kinopublikum darf sich auf 17 internationale und 10 deutsche Kinopremieren freuen. Christian stellt Euch das Programm vor.



Als ich im Juli 2004 irgendwo in der Innenstadt ein Plakat entdeckt habe, das mich auf das 1. Freiburger Filmfest aufmerksam machte, war die Freude groß.


Nachdem es in Freiburg bis dahin nur themenbezogene Filmfestivals wie das Freiburger Film Forum im Kommunalen Kino oder die Schwule Filmwoche im Kandelhof gab, haben sich Michael Wiedemann und Michael Wisele vom Kino Friedrichsbau viel Mühe gegeben ein Programm zusammenzustellen, dass sich vor etablierten Filmfestivals wie dem Internationalen Filmfest in Emden nicht zu verstecken brauchte.

Neben einer Francis McDormand gewidmeten Werkschau gab es jede Menge internationale Premieren und interessante deutsche Filme zu sehen. Neben genialen Werken wie "Old Boy", waren z.B. sympathische Komödien wie "La Grande Seduction", großartige Dokumentationen wie "Fog Of War" oder Publikumsmagneten wie "Rhythm Is It" zum ersten Mal in den Kinosälen des Friedrichsbaus zu sehen.

Ein Jahr später ging das Freiburger Filmfestival dann sogar nach draußen und so konnte man den späteren Oscargewinner "L.A. Crash", "Bin-Jip" oder "Die Reise der Pinguine" im herrlich grünen und gemütlichen Mensagarten bestaunen. Dazu kam eine Werkschau von Lieblingsregisseur Wong Kar-Wai, eine Bollywood-Filmreihe und das Finale des Video Grand Slam im Rahmen des Festivals.

Gewinner des Publikumspreises wurde beim 2. Freiburger Filmfest übrigens der chinesische Film "Badehaus", der über 6 Jahre nach seiner Premiere dann doch noch in Deutschland veröffentlicht wurde.

Nachdem 2005 über 40 Filme beim Festival gelaufen sind, war es ein wenig überraschend, dass im letzten Jahr, wenn man mal von der Bruno Ganz-Werkschau absieht, nur noch knapp 20 Filme zu sehen waren und da sich die Vorstellungen im Friedrichsbau und im Mensagarten zeitlich überschnitten haben und es keine Wiederholungen gab, musste man sich für eine der beiden Premieren am Tag entscheiden.

Dennoch gab es auch 2006 genug Filme die das Herz jedes Cineasten höher schlagen lassen. Ob nun "Science Of Sleep" von Regie-Wunder Michel Gondry, Pedro Almodóvars "Volver" oder Marcus H. Rosenmüllers Kino-Debüt "Wer früher stirbt ist länger tot", der noch immer im Kino zu sehen ist.

Ob es in diesem Jahr einen Film gibt, der sich so lange im Kino hält, bleibt abzuwarten, sicher ist jedoch, dass man sich auf viele spannende und unterhaltsame Kinostunden einstellen kann.
Das Programm ist wieder umfangreicher geworden, weil es keine Werkschau gibt, bleibt mehr Platz für Premieren und da zum ersten Mal jeder Film zweimal gezeigt wird, könnte man theoretisch das ganze Programm anschauen.

Da das aber dann doch ein bisschen zuviel wäre, will ich hier noch ein paar Filme vorstellen, auf die ich mich besonders freue.

Hallam Foe

Da wäre zum Beispiel "Hallam Foe – This Is My Story" des schottischen Regisseurs David Mackenzie, der schon mit "Young Adam" einen wunderbar abgründigen und atmosphärischen Film gedreht hat.In seinem neuen Werk geht es um einen Teenager, dargestellt von Jamie Bell (bekannt aus „Billy Elliott“ und „Dear Wendy“), der leidenschaftlich anderen Menschen in seiner Umgebung nachspioniert während sein eigenes Leben an ihm vorbeizieht. Darf man den Kritiken glauben, ein skuril-humorvoller Coming-of-Age-Streifen im Stil von „Garden State“, „Igby“ oder „Thumbsucker“. Eins ist jedenfalls jetzt schon sicher, der Soundtrack, für den Franz Ferdinand den Titelsong beigesteuert haben, ist grossartig! - Hallam Foe: Website & Trailer

Cashback

Noch mehr britischen Humor und kuriose Ideen verspricht die gleichnamige Spielfilmversion des 2006 für einen Oscar nominierten Kurzfilms "Cashback" von Sean Ellis über einen gelangweilten Supermarktangestellten, der im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit einfriert. - Cashback: Website & Kurzfilm & Trailer

The Bothersome Man

Trister als eine Nacht im Supermarkt scheint dann allerdings die fast perfekte Welt in der isländisch-norwegischen Produktion „The Bothersome Man“ von Jens Lien zu sein und wenn ein Film mit Werken von Jacques Tati, David Lynch, mit „Brazil“ oder „Delikatessen“ verglichen wird, dann kann man sicher sein, dass man es mit einer tiefschwarzen Satire zu tun hat. - Bothersome Man: Website &Trailer

Auf Anfang

Ebenfalls aus Norwegen kommt auch „Auf Anfang“, der schon bei anderen Festivals für Furore sorgte und dessen Regisseur Joachim Trier als große Hoffnung im skandinavischen Kino gehandelt wird. Das Generationsportrait wird sicher auch hier viele Anhänger finden. - Auf Anfang: Website & Trailer

Tuyas Hochzeit

Eine weitere Empfehlung ist natürlich auch der diesjährige Berlinale-Gewinner „Tuyas Hochzeit“ des chinesischen Regisseurs Quan’an Wang. Laut Jurypräsident Paul Schrader "Ein stiller, aber kraftvoller Film über eine Frau, die noch einmal von vorn beginnen möchte - begleitet von wunderschönen Landschaftsbildern der Mongolei". - Tuyas Hochzeit: Website & Trailer



Außerdem ist mit „Yella“, der Abschluss von Christian Petzolds „Gespenster“-Trilogie, mit „Gucha“ das neue Werk von „Schwarze Katze, Weisser Kater“-Regisseur Emir Kusturica und mit „Angel“ François Ozons erster Kostümschinken zu sehen.
Es gibt Dokumentationen über die unterschätzte Kunst des Jodelns, die Privatisierung der deutschen Bahn, die Erfindung des Geldes, alternde Hippies in Indien, post-kolonialen Abenteuertourismus in Sambia oder die unglaubliche Hetzjagd auf die Dixie Chicks zu bestaunen.

Bei „Zehn Kanus, 150 Speere und drei Frauen“ kann man sich, beim ersten komplett in der Sprache der Aboriginis gedrehten Film, nach Australien entführen lassen, im Eröffnungsfilm „Ulzhan“ führt die Reise in die Steppe von Kasachstan und bei „St. Jacques“ entlang des Jakobswegs. Aber das ist noch lange nicht alles, was es zu entdecken gibt! Das komplette Programm mit Kurzbeschreibungen zu allen Filmen ist auf der Website des Filmfestzu finden.

Viel Spaß im Kino!





Das vollständige Programm des 4. Freiburger Filmfest



Freitag, 20. Juli

19:00 Uhr Ulzhan im Friedrichsbau
19:20 Uhr Als der Wind den Sand berührte im Apollo 1
21:30 Uhr Tuyas Hochzeit im Mensagarten

Samstag, 21. Juli

16:30 Uhr Tuyas Hochzeit im Friedrichsbau
17:10 Uhr Als der Wind den Sand berührte im Apollo 1
19:00 Uhr Am Ende kommen Touristen im Friedrichsbau
19:20 Uhr Hippie Masala im Apollo 1
21:15 Uhr Ulzhan im Apollo 1
21:30 Uhr St. Jacques - Pilgern auf französisch im Mensagarten

Sonntag, 22. Juli

16:30 Uhr St. Jacques – Pilgern auf französisch im Friedrichsbau
17:10 Uhr Hippie Masala im Apollo 1
19:00 Uhr The Bothersome Man im Friedrichsbau
19:20 Uhr Ferien im Apollo 1
21:15 Uhr Am Ende kommen Touristen im Apollo 1
21:30 Uhr Heimatklänge im Mensagarten

Montag, 23. Juli

16:30 Uhr Heimatklänge im Friedrichsbau
17:10 Uhr Ferien im Apollo 1
19:00 Uhr The Dixie Chicks: Shut up & Sing im Friedrichsbau
19:20 Uhr Auf Anfang im Apollo 1
21:15 Uhr The Bothersome Man im Apollo 1
21:30 Uhr Yella im Mensagarten

Dienstag, 24. Juli

16:30 Uhr Yella im Friedrichsbau
17:10 Uhr Auf Anfang im Apollo 1
19:00 Uhr Cashback im Friedrichsbau
19:20 Uhr Half Moon im Apollo 1
21:15 Uhr The Dixie Chicks: Shut up & Sing im Apollo 1
21:30 Uhr Zusammen ist man weniger allein im Mensagarten

Mittwoch, 25. Juli

16:30 Uhr Zusammen ist man weniger allein im Friedrichsbau
17:10 Uhr Half Moon im Apollo 1
19:00 Uhr Gucha im Friedrichsbau
19:20 Uhr Zehn Kanus, 150 Speere und drei Frauen im Apollo 1
21:15 Uhr Cashback im Apollo 1
21:30 Uhr Fata Morgana im Mensagarten

Donnerstag, 26. Juli

16:30 Uhr Fata Morgana im Friedrichsbau
17:10 Uhr Zehn Kanus, 150 Speere und drei Frauen im Apollo 1
19:00 Uhr Reine Geschmackssache im Friedrichsbau
19:20 Uhr Livingstones Erben im Apollo 1
21:15 Uhr Gucha im Apollo 1
21:30 Uhr Still Life im Mensagarten

Freitag, 27. Juli

16:30 Uhr Still Life im Friedrichsbau
17:10 Uhr Livingstones Erben im Apollo 1
19:00 Uhr Vivere im Friedrichsbau
19:20 Uhr Bahn unter Hammer im Apollo 1
21:15 Uhr Reine Geschmackssache im Apollo 1
21:30 Uhr Hallam Foe - This is my story im Mensagarten

Samstag, 28. Juli

16:30 Uhr Hallam Foe – This is my story im Friedrichsbau
17:10 Uhr Bahn unterm Hammer im Apollo 1
19:00 Uhr Geliebte Jane im Friedrichsbau
19:20 Uhr Der Geist des Geldes im Apollo 1
21:15 Uhr Vivere im Apollo 1
21:30 Uhr Angel - Ein Leben wie im Traum im Mensagarten

Sonntag, 29. Juli

16:30 Uhr Angel – Ein Leben wie im Traum im Friedrichsbau
17:10 Uhr Der Geist des Geldes im Apollo 1
21:15 Uhr Geliebte Jane im Apollo 1

Mehr dazu:

4. Freiburger Filmfest: Website
Was: 4. Freiburger Filmfest
Wann: 20. - 28- Juli 2007
Wo: Friedrichsbau Kino und Mensagarten
Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro; keine Kinotage; Dauerkarte (Passfoto erforderlich) 70,- Euro, 10er Karte 50,- Euro
Telefonische Kartenreservierung: 0761.630 31