3D-Druck bei Solify: Sachen, selbstgedruckt

Lina Wiemer & Florian Forsbach

Ein Drucker, der dreidimensionale Gegenstände herstellt – mit dieser Technik wollen drei junge Gründer aus der Region einzigartige, aber beliebig vervielfältigbare Gegenstände an ihre Kunden bringen. Ein Ortstermin beim jungen Start-up Solify in der March.



Das Geräusch der Maschine in der hinteren Ecke des Büros von Solify klingt wie sanfte Elektromusik. Im 3D-Drucker, einem würfelförmigen, 30 mal 30 Zentimeter großen Holzgerüst, das mit zahlreichen Schrauben zusammengehalten wird, entsteht gerade ein kleiner neongrüner Lampenschirm. Noch ist der erst knappe drei Zentimeter hoch.
„An das Geräusch haben wir uns schon so gewöhnt, dass wir ganz nervös werden, wenn der Drucker mal nicht läuft“, sagt Benjamin Lieberwirth, einer der Gründer des Start-ups in der March.

3D-Druck – so nennt man man das Schichtauftragen von Kunststoff mit Hilfe von Computermodellen. „In der Fachsprache wird das auch Materialablagerungsverfahren genannt“, sagt Benjamin Rätz, der zweite Gründer. Zu viert starteten sie das kleine Unternehmen im März, einer ist aus Zeitmangel ausgestiegen.



Übriggeblieben sind Benjamin Lieberwirth, 28, der gerade seine Masterarbeit in der Informatik schreibt; Benjamin Rätz, 26, Jurist, und Bastian Moritz, 28, Politikwissenschaftler. Sein Zuhause hat ihr Start-up in einem Businesscenter in March-Buchheim. Die Einrichtung stammt zum Großteil aus Kleinanzeigen; Pläne von Prozessabläufen hängen an den Wänden. In einer Ecke steht ein Holzregal mit kleinen Prototypen aus ihrem 3D-Drucker. An der Büroeinrichtung wird auch gleich das Potential des 3D-Druckens deutlich: Die Gründer mussten sich ein Ersatzteil für ihren gebraucht gekauften Schreibtisch ausdrucken. Die kleine schwarze Schraube steckt jetzt zwischen Tischplatte und Tischbein.

„Mit der nötigen Expertise ist 3D-Druck ähnlich wie Sandburgenbauen oder Kerzengießen“, sagt Benjamin Rätz. Als Druckmaterial nutzt Solify den Kunststoff Polylactide (PLA). Er ist flexibel, je nach ausgedrucktem Objekt auch dehnbar und in vielen Farben erhältlich. Die PLA-Spule wird am hinteren Teil des Druckers befestigt, der Druckkopf zieht den PLA-Faden von der Spule und erwärmt ihn. Der eingebaute Kühler kühlt die erhitzte Masse gleich wieder ab. So wird Schicht für Schicht der Kunststoff aufgetragen. Je nach Größe des Gegenstands braucht der Drucker zwei bis acht Stunden bis zum fertigen Objekt.

Auch mit Schokolade als Druckmaterial hat das Start-up schon experimentiert. „Das ist noch komplizierter als mit Kunststoff zu drucken“, sagt Benjamin Lieberwirth. „Die aufgetragene Schokolade muss ja erwärmt und nach dem Auftragen noch schneller wieder gekühlt werden.“Gedruckt werden kann jedes Modell, das im STL-Format als dreidimensionale digitale Vorlage  zur Verfügung steht. STL beschreibt die Oberfläche eines Gegenstands mit Dreiecken. Der 3D-Drucker liest diese geometrischen Informationen und druckt sie aus. STL-Vorlagen gibt es unter Open-Source-Lizenzen im Internet, oder sie können mit Computerprogrammen je nach Bedarf selbst erstellt werden.

Die Einsatzmöglichkeiten des 3D-Druckers sind – im Rahmen seiner Größe – nahezu unbegrenzt.  Auf dem Tisch in der Mitte des Büros stehen kleine Häusermodelle, ein Prototyp eines Ventils, eine funktionierende Flöte in Neonorange, Becher, Vasen und Leuchten in grellem Blau, ein schwarzes, zehn Zentimeter hohes Katzenmodell, eine weiße Freiheitsstatue sowie ein schwarzer Buddha-Kopf.



Solify sieht als Zielgruppe nicht nur Architektur- und Ingenieurbüros, sondern vor allem Privatpersonen, die sich Ersatzteile, Spielzeug, Haushaltsgeräte oder Geschenke drucken lassen wollen. Der Preis für ein fertiges 3D-Objekte hängt davon ab, wie aufwendig der Druckauftrag ist. Ein kleines Ersatzteil für ein Modellbauflugzeug kostet zwischen zehn und 20 Euro, für den neongrünen Lampenschirm der gerade im Drucker Schicht für Schicht fertiggestellt wird, berechnen die Gründer 39 Euro. In die Preiskalkulation fließen Druckqualität, Druckzeit, Materialkosten und Beratungsaufwand mit ein. Mit pauschalen Preisangaben sind die Gründer daher zurückhaltend.

3D-Drucker gibt es schon seit über 30 Jahren. „Aber jetzt sind die Patente abgelaufen und die Preise gesunken. Daher haben wir jetzt den 3D-Druck-Boom“, sagt Bastian Moritz. 2500 Euro haben er und seine Kollegen für ihren Drucker bezahlt –  aus eigener Tasche, denn auch das gesamte Unternehmen ist mit Eigenkapital finanziert.

Als dritte industrielle Revolution wird der 3D-Druck auch bezeichnet. Politikwissenschaftler Bastian Moritz  ist sich auch der politischen Dimension des 3D-Druckens bewusst: „Jetzt können alle alles selbst produzieren und sind weniger abhängig von standardisierten Produkten.“ Die Gemeinschaft entscheidet, was genau sie braucht, und kann es dann direkt selbst herstellen, die Produktion erfolgt unmittelbar durch die Konsumenten.



Zudem sei 3D-Druck auch noch nachhaltig: Der Kunststoff PLA ist biologisch abbaubar.  Und: „Wir können ja alles wieder einschmelzen und haben keinen Materialverlust“, so Bastian Moritz.Die Vision ist klar: 3D-Drucker sollen irgendwann sich selbst vervielfältigen. Aber bis es soweit ist, dauert es wohl noch. Eine Studie des IT-Forschungs- und Beratungsunternehmens Gartner besagt, dass bis 2016 theoretisch alle einen 3D-Drucker besitzen könnten. Dann seien die Drucker erschwinglich geworden und einfacher zu bedienen. „Zur Zeit ist die 3D-Druck-Technologie aber noch zu komplex für die Privatanwendung“, sagt Bastian Moritz.

Und die Zukunft für das junge Unternehmen? „Es ist alles noch offen“, sagen die drei. Vielleicht finden sie ja Ideen, wie sie Designer an ihren Umsätzen beteiligen können. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Das rhythmische Summen des Druckers ist jetzt verstummt: Der neongrüne Lampenschirm ist fertig.

So klingt ein 3D-Drucker



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