373,50 Euro Bußgeld: Stadt geht gegen Wildplakatierer vor

Carolin Buchheim

Die Freiburger Veranstalterszene ist in Aufruhr. Denn in mehr als 50 Fällen laufen derzeit Bußgeldverfahren gegen Veranstalter und Plakatekleber wegen Wildplakatierens. Das Amt für öffentliche Ordnung geht gegen Kneipen, Clubs und Veranstalter aus der Jugend- und Subkultur vor, die außerhalb des Kleinwerbenetzes der Stadt für ihre Partys und Konzerte werben.



Die Plakate des Anstoßes hingen im Frühjahr an einem Stromkasten und einem Glascontainer in der Nähe des Schwabentors. Sie warben für ein Konzert der Band „Elektrik Kezy Mezy“ im Slow Club. 373,50 Euro Bußgeld soll Jens Teichmann, Vorsitzender des „Vereins für notwendige kulturelle Maßnahmen“, der den Club in der Haslacher Straße betreibt, nun für die beiden Plakate zahlen. Der Vorwurf: Unerlaubte Sondernutzung durch Plakatieren außerhalb des kostenpflichtigen Kleinwerbenetzes der Stadt. Zwei weitere Bußgeldverfahren wegen anderer Plakate laufen noch.


Nicht nur der Slow Club hat aktuell Ärger mit dem Amt für öffentliche Ordnung. In mehr als 50 Fällen von Wildplakatierung laufen nach Angaben der Stadt derzeit Bußgeldverfahren. Betroffen sind unter anderem das Swamp, das Great Räng Teng Teng, „Tanzbar Konzerte“ und Veranstalter im Jugendkulturzentrum Artik. Ob auch wild klebende Veranstalter aus anderen Kulturbereichen wie der Kleinkunst oder der Klassik betroffen sind, ließ sich am Freitag nicht mehr ermitteln.

Die subkulterelle Veranstalterszene der Stadt ist in Aufruhr. Jens Teichmann vom Slow Club hat Widerspruch eingelegt - und ist sauer. Das Amt habe unangekündigt seine Haltung geändert. Seien Plakatkleber in flagranti erwischt worden, hätte es vormals  ausgereicht, diese einfach wieder zu entfernen. „Jahrelang wurde das Plakatieren geduldet“, sagt er.

„Es war nicht nötig, die Wildplakatierer vorzuwarnen“, rechtfertigt Martina Schickle vom Pressereferat der Stadt das Vorgehen des Amts. In den vergangenen Monaten sei verstärkt wild plakatiert worden. „Das verursacht immer mehr Müll im öffentlichen Raum.“ Besonders die Innenstadt sei betroffen gewesen.

Das bestreiten auch die betroffenen Veranstalter nicht. Einzelne Neuankömmlinge in der Szene hätten es mit der Plakatiererei übertrieben, besonders große Plakate aufgehängt, oder solche, die für wöchentliche Termine werben. „Dass jetzt aber alle bestraft werden, ist unfair“, sagt ein Veranstalter, der nicht namentlich genannt werden will. Zudem sei nicht nur das Kleinwerbenetz zu teuer, sondern auch die verhängten Bußgelder zu hoch. „Wie soll jemand, der mit einem Konzert so gerade eben auf Null kommt, fast 400 Euro Strafe zahlen?“

Ein weiteres Problem: Die Knöllchen für die wilden Plakate erreichen die Veranstalter mit mehreren Wochen Verzögerung. Mehrere Bußgeldverfahren laufen so unter Umständen parallel, und lassen den Anschein entstehen, ein Veranstalter wolle sein Verhalten nicht verändern - dabei handelt es sich nur insgesamt um Vorfälle, die vor der Zustellung des ersten Briefs des Amt passiert sind.

Am kommenden Mittwoch soll ein Runder Tisch im Artik die betroffenen Veranstalter zusammenbringen. „Alle Kulturschaffenden müssen die Möglichkeit haben, ihre Veranstaltungen ohne finanzielles Risiko zu bewerben", sagt Joe Evers vom Artik."Diese Flächen hierfür existieren in Freiburg bisher noch nicht und wir wünschen uns, dass sich die Stadt dieser Thematik animmt."

Ein mögliches Vorbild für eine Lösung könnte Basel sein. Dort gab es ein massives Wildplakatierproblem, bis der Regierungsrat 2009 die sogenannte kulturelle Kleinplakatierung an Bus- und Tramhaltestellen, auf Stromkästen und öffentlichen Bauzäunen erlaubt hat. Das Basler Tiefbauamt weist auf seinerWebsite die erlaubten Klebeflächen an Bauzäunen  mit Landkarten und Fotos aus – damit niemand aus Versehen falsch klebt.



Mehr dazu:

Was: Runder Plakatetisch
Wann: Mittwoch, 24. Juli 2013, 15 Uhr
Wo: Artik, Friedrichring 2
Facebook-Event: Runder Plakatetisch [Bild 1: Ingo Schneider; Bild 2: Detailverliebtheit August 2012]