Europa-Park

31-Jähriger aus Pfaffenweiler sammelt Unterschriften für Piraten in Batavia

Tamara Keller

Andreas Wagner hat eine Online-Petition für den Wiederaufbau der zerstörten Europa-Park-Bahn "Piraten in Batavia" gestartet. Tamara Keller hat mit ihm über das Besondere der Bahn gesprochen.

BZ: Warum haben Sie diese Petition gestartet?

Wagner: Piraten in Batavia war eine sehr alte Attraktion und ist somit ein großer Verlust für die Besucher. Sie entspricht nicht der heutigen Vorstellung eines Freizeitparks. Die meisten Leute wollen heute schnelle Beschleunigung, Loopings bei Achterbahnen, 3D-Effekte und 4D-Effekte oder Virtual-Reality-Brillen. Meiner Meinung nach war die Piratenbahn das Gegenteil davon: Es ging nicht nur darum, den Besuchern Aktion zu bieten, sondern Batavia konnte mit allen Sinnen erlebt werden. Viele Leute haben auch in den Kommentaren zur Petition geschrieben, dass der Geruch dieser Bahn einzigartig war. Ich finde so etwas geht einfach verloren, wenn man nur noch auf Achterbahnen und Geschwindigkeit setzt. Mit dem Boot durch diese Halle zu fahren war etwas ruhiges, ein Ort, an dem Familien zusammen etwas erlebten.

BZ: Was für Kommentare haben Sie noch zur Petition bekommen?
Wagner: Sie sind sehr zweigeteilt. Einmal gibt es viele Leute, die ähnliche Sachen schreiben, wie ich sie in die Beschreibung der Petition geschrieben habe: Kindheitserinnerungen, dass es immer schön war mit dieser Bahn zu fahren und dass sie alle jedes Mal neue Sachen entdeckt haben. Es war ja eine wunderbare Kulisse da drin, die vielen Leuten auch etwas bedeutet hat.



BZ: Und die zweite Seite?
Wagner: Wie im Internet heutzutage leider öfters der Fall, wenn man versucht etwas zu erreichen, gibt es da die Leute, die ich Hater nenne. Sie verbreiten eher negative Kommentare. Ich habe die Petition auch in der Facebookgruppe "Netzwerk Freiburg" geteilt. Da stehen dann Kommentare wie "Es ist gerade mal 24 Stunden her" oder: "Familie Mack wird schon wissen, was sie macht". Natürlich wird Familie Mack wissen, was sie macht, es ist auch ihre alleinige Entscheidung. Aber ich finde es wichtig mitzuteilen, dass es auch Leute gibt, die gerade an solchen Attraktionen noch Interesse haben.

BZ: Es steht ja noch gar nicht fest, wie es mit Batavia weitergeht. Finden Sie selbst die Petition nicht zu früh?
Wagner: Ich denke mir: Ja, es ist erst kurze Zeit her, aber diese Petition hat ja auch eine gewisse Laufzeit. Ich möchte nicht heute eine gewisse Anzahl an Unterschriften haben. Sondern ich habe sie einfach gestartet und ich finde, das sollte man schon direkt im Anschluss eines solchen schrecklichen Ereignisses tun. Jetzt ist es noch präsent und alle beschäftigen sich damit. Wenn ich das jetzt erst in fünf oder sechs Wochen mache, ist die Anteilnahme oder das Interesse daran, vielleicht schon wieder weg. Da erreiche ich mit so einer Petition wesentlich weniger.



BZ: Haben Sie selbst auch eine besondere Erinnerung an die Bahn?
Wagner: Ich bin 1999 das erste Mal im Europa-Park gewesen. Ich komme gebürtig aus Düsseldorf. Mein erster Besuch erinnert mich vor allem an diese Bahn: Wie der Affe von dem Piraten den Schlüssel bekam und es danach losging. Gerade diese Übergabe von dem Schlüssel, wenn der Pirat sagte: "Komm Äffchen, gib mir den Schlüssel!" – das ist mir im Kopf geblieben und war ein sehr schönes Erlebnis.


Andreas Wagner ist 31 Jahre alt und arbeitet im Einzelhandel eines großen Discounters als stellvertretender Filialleiter. Er ist vor drei Jahren aus berufliche Gründen von Düsseldorf hierher nach Pfaffenweiler gezogen.

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