3 Polizeieinsätze innerhalb von 8 Tagen: Die HipHop-Band Zweierpasch im Visier der Polizei

Dorothea Winter

Die HipHop-Band Zweierpasch aus Freiburg/Straßburg steht für Toleranz und Völkerverständigung. Bei den letzten drei Konzerten gab es drei Polizeieinsätze. Machen sie ab jetzt nur noch Silent Concerts? fudder hat mit Till Neumann gesprochen.

Ihr seid ja nicht gerade als die Krawallmacher des deutschen HipHops bekannt. Wie kamen die Polizeibesuche zu Stande?

Till Neumann: Das ist auch für uns eine große Überraschung. Wir machen schon lange Musik und bei der aktuellen "Lichter"-Tour war dies der erste Polizeikontakt, den wir je bei einem Konzert hatten.

Wann und wo war der erste Vorfall?

Am 5. Mai haben wir bei dem Festival "HipHop Society" in Marseille performed. Wir sind bei einer Blockparty im Rahmen des Festivals aufgetreten. Da haben drei Stunden lang DJs aufgelegt mit einer kleinen Anlage an einer Straßenecke und als wir eineinhalb Tracks gespielt hatten, wurden wir abrupt von der Polizei unterbrochen und mussten aufhören.

Dazu muss man aber sagen, wir haben danach erst erfahren, dass die Veranstaltung so nicht angemeldet war und deswegen die Polizei dazwischen gegangen ist. Das ist natürlich auch von Seiten der Veranstalter nicht ganz glücklich organisiert. Aber die Anlage war wirklich mini und überhaupt nicht laut. Aber da kann man nichts machen. Wir haben dann das Konzert später in einem Klosterhof fortgesetzt.

Und die beiden anderen Vorfälle?

Am Mittwoch drauf haben wir beim Tag der Pflege auf dem Alten Platz der Synagoge gespielt. Das war von der Diakonie aus organisiert und da gab es natürlich auch im Vorfeld Vorkehrungen und Rücksprache mit der Stadt.

Es wurde eine Maximale Lautstärke von 75 Dezibel vereinbart und die wurde auch zu keinem Zeitpunkt überschritten. Das haben die Veranstalter penibel genau überprüft. Doch im Polizeirevier Nord war eine Besprechung und die haben sich gestört gefühlt.

Deshalb haben sie das Ordnungsamt verständigt. Daraufhin mussten wir das gesamte Konzert auf eine gefühlte Wohnzimmerlautstärke minimieren und durften nur noch so weiterspielen. Aber auf so einem Platz ist das natürlich unmöglich. Da kommt keine Stimmung mehr auf und für die gesamte Veranstaltung war das quasi das Aus.



Am Samstag drauf hatten wir einen Auftritt bei dem Lil’ Pow Wow Festival im Cafè Pow. Ich habe noch zu meinem Bruder scherzhaft gemeint "Heute Abend kommen sicher wieder unsere Fans in Uniform". Und so sollte es auch kommen. Mitten während unseres Auftritts stand die Polizei vor dem Pow und meinte, dass sich ein Anwohner beschwert hätte. Daraufhin durften wir noch das Lied fertig spielen und dann war’s das.

Also die Lärmbeschwerde bei dem Auftritt auf dem Alten Platz der Synagoge kam direkt aus dem Polizeirevier?

Richtig, so hat es das Ordnungsamt berichtet. Die Polizisten im Polizei Revier Nord befanden sich in einer Besprechung und brauchten Ruhe. Wir mussten die Lautstärke runterdrehen und am Ende war es nur noch Flüsterlautstärke. Das war für uns natürlich ein sehr großes Ärgernis, weil es sehr willkürlich wirkte und die Begründung nicht nachvollziehbar war. Außerdem steckt ja auch ein großer Planungsaufwand hinter einem Auftritt, sowohl seitens der Veranstalter, als auch der Künstler. Da muss man sich auf Absprachen verlassen können.

Bei den beiden Auftritten in Freiburg war im Voraus alles mit den Behörden abgeklärt?

Ja, das war ja das Ägerliche. Obwohl im Vorfeld alles abgesprochen wurde und wir uns an alle Regelungen gehalten haben, hat die Polizei unsere Auftritte unterbrochen. Eigentlich hätte im Cafè Pow bis 22.30 Uhr laut Musik gemacht werden dürfen und danach mit reduzierter Lautstärke.

Wie waren die Reaktionen der Fans?

Die waren enttäuscht. Im Cafè Pow war’s zum Beispiel für unseren weit angereisten Neffen das erste Pasch-Konzert. Der fand das abrupte Ende "total unfair". Als wir im Pow nicht mehr weiter spielen durften, haben wir Musiker zusammen mit dem Publikum als Zeichen des stillen Protests 120 Wunderkerzen angezündet.

Was ist eure Antwort auf die mehrfachen Polizeieinsätze?

Wir überlegen gerade, wie man da reagieren kann. Eine Idee wäre ein Silent Concert in der City. Im Stile der Silent Partys – also mit Musik durch Kopfhörer. Dann kann sich wirklich keiner mehr beschweren.



Werdet ihr trotzdem noch in Freiburg auftreten?

Selbstverständlich. Die nächsten Auftritte sind schon geplant. Bei dem Festival "Freiburg stimmt ein" am 10. Juni, werden wir wieder auf dem Platz der Alten Synagoge auftreten. Da bin ich gespannt, wie das mit der Lautstärke klappt.Und auf dem ZMF nach Kontra K am 27. Juli. Da hoffe ich doch sehr, dass wir unser Konzert in voller Länge und Lautstärke über die Bühne bringen können.

Ist die Reaktion der Polizei und der Stadt auf Musik im öffentlichen Raum in Freiburg programmatisch?

Wir hoffen, dass es für die Zukunft in Freiburg einfach mehr Offenheit geben wird. Der neue Oberbürgermeister ist ja auch noch relativ jung. Wir glauben, dass er da bestimmt frischen Wind reinbringen wird. Aktuell würden wir uns schon wünschen, dass es mehr Freiheit gibt für Kunst, Kultur und Musik in Freiburg. Es ist einfach schade, dass da so strikt vorgegangen wird. Wir haben ja nicht mit Absicht Leute in unserem Umfeld gestört. Das waren Veranstaltungen, die wirklich von der Lautstärke her vollkommen angemessen waren und eine junge Studentenstadt sollte das in der Innenstadt aushalten.
Statement der Polizei:

Zu dem Konzert am 9. Mai auf dem Alten Platz der Synagoge äußerte sich Jerry Clark aus der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit zu fudder folgendermaßen: Am 9. Mai seien zwei Einsatzanlässe im Zeitraum 10-11.30 Uhr dokumentiert. Der erste Einsatz wurde aufgrund einer Beschwerde wegen Ruhestörung veranlasst. Daraufhin wurde eine Lärmmessung im Bereich der Veranstaltung durchgeführt und der Veranstalter gebeten, die vereinbarten Werte einzuhalten. Der Vollzugsdienst der Stadt Freiburg wurde in Kenntnis gesetzt.

Der zweite Einsatz fand gegen 11 Uhr statt. Eine Polizeistreife unterstützte den Rettungsdienst wegen einer betrunkenen Person vor dem Stadttheater.

Zu dem Konzert im Cafè Pow merkte Clark an:

"Am 12. Mai, gegen 22:30 Uhr, ging eine Beschwerde wegen zu lauter Musik aus der Belfortstraße ein." Doch wegen dringenderer Einsätze und weil über längere Zeit keine weiteren Beschwerden eingegangen seien, wurden keine Maßnahmen seitens der Polizei mehr getroffen.

Clark gab jedoch auch zu bedenken, "Ich kann nicht auszuschließen, aber auch nicht bestätigen, dass Kontakt mit dem Veranstalter aufgenommen wurde, um ihn über die Beschwerde zu informieren. Dies ist jedoch rein spekulativ – Maßnahmen im engeren Sinne sind nicht aktenkundig."


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