3 News zum Leichenwagen: Warum er abgeschleppt wurde, wie die Vorgeschichte verlief, wer dem Besitzer jetzt helfen will

Marius Buhl

3 News zum Leichenwagen. Erstens: Der Leichenwagen wurde abgeschleppt - was die Stadt dazu sagt. Zweitens: Die kuriose Vorgeschichte des Wagens. Drittens: Warum eine nun gestartete Hilfsaktion juristisch nicht ganz korrekt ist.



Erstens: Warum der Leichenwagen abgeschleppt wurde

Aufmerksamen Stadtgängern ist es bestimmt aufgefallen: Seit Donnerstagmittag ist der Leichenwagen vor dem KG 2 verschwunden. Der Grund: Der Gemeindevollzugsdienst hat ernst gemacht und den Wagen abgeschleppt. Und dass, obwohl es noch am Dienstag von Seiten der Stadt gehießen hat, der Wagen könne bis zu vier Wochen dort stehen bleiben. Den Grund für das verfrühte Abschleppen des Wagens erklärt Edith Lamersdorf, Pressesprecherin der Stadt, wie folgt:

"In solchen Verbotszonen wird eigentlich sofort abgeschleppt, egal ob mit Kennzeichen oder ohne. Weil das Fahrzeug aber bekannt war (...) hat der GVD seinen Ermessensspielraum genutzt und einen Tag abgewartet. Aufgrund der Berichterstattung jetzt, hat der GVD aber festgestellt, dass der Besitzer sich nicht drum kümmern kann, weil er im Krankenhaus ist, und auch das Fahrzeug gar nicht fahrbereit ist. Deshalb hat der GVD jetzt abschleppen lassen. Wenn der Besitzer wieder fahrtüchtig ist und die Reifen anmontiert, bekommt er das Fahrzeug wieder."
 

Zweitens: Die Vorgeschichte des Wagens

Der Gemeindevollzugsdienst (GVD) hat den Leichenwagen bereits Mitte Juni in der Bismarckallee abgeschleppt. Damals stand der Leichenwagen im Parkscheinbereich und hatte die Höchstparkdauer überschritten. Das Fahrzeug war bereits damals angemeldet und ist es weiterhin. Ein Leichenwagen ist das Auto aber nicht mehr, als solcher wurde der Wagen schon lange nicht mehr zugelassen. Der Besitzer hat den Wagen am 18.6. beim Abschleppunternehmen abgeholt und alle fälligen Gebühren bezahlt.

Drittens: Die Hilfsaktion

Kai Neumann, Gründer der facebook-Gruppe "Freiburg und Südbaden verschenkt's", will dem Fahrer des Leichenwagens, der aktuell im Krankenhaus liegt (mehr dazu: Warum ein Leichenwagen vor dem KG 2 steht), gerne helfen.

Dazu ist Neumann mit Michael Gwiasda in Kontakt getreten. Gwiasda ist selbst Inhaber des Abschlepp-Unternehmens MS24. Mit seinem Abschlepper ist Gwiasda bereits heute morgen zur städtischen Verwahrungsstelle des Leichenwagens in der Karlsruherstraße gefahren. Dort bat er die Stadt darum, den Leichenwagen mitnehmen zu dürfen, um ihn bei sich auf dem Gelände parken zu können.

Gwiasda: "Das war äußerst schwierig. Eigentlich braucht man dazu eine Vollmacht des Autohalters, ich aber hatte nix. Am Ende hat die Stadt sich aber erweichen lassen. Das lag bestimmt daran, dass die mich kennen." Inzwischen hat Gwiasda den Wagen abgeschleppt, die Gebühr von 185 € hat Gwiasda ausgelegt, hofft nun aber, dass er das Geld von Spendern zurückbekommt.

Jan-Georg Wenneker
, Verkehrsrechtler im Anwaltsbüro Hegarhaus, findet das Vorgehen der Stadt hier mehr als merkwürdig: "Es ist schon sehr verrückt, dass die Stadt das Auto an einen fremden Abspschleppdienst heraus gibt. Ich verstehe nicht, wie das ohne Vollmacht geht, juristisch ist das sehr schwierig. Menschlich ist es jedoch nachvollziehbar."

Kai Neumann will weiterhin helfen, der Abschleppdienst war nur der Anfang: "Gerne würden wir dem Mann das Geld für seine Strafzettel und ein bisschen Hilfe zu kommen lassen", sagt Neumann. "Mein persönlicher Beitrag wird auch sein, dass ich dem Mann das Auto putzen will. Einmal durchsaugen, alles sauber machen, damit er ein schönes Auto hat, wenn er wieder aus dem Krankenhaus kommt."

Zudem ist Neumann mit einigen Leuten in Kontakt, die dem Fahrer neue Reifen spenden wollen. fudder-User "vdp1100" hat hierzu ebenfalls Kontakt mit Neumann aufgenommen. Er hat noch ein paar passende Reifen bei sich herumstehen, "dunkel gelagert", wie er betont.

Wer der Mann überhaupt ist, weiß indes weder Neumann noch Gwiasda. Neumann: "Ich bin aber mit der Polizei in Kontakt getreten, und hoffe nun herauszufinden, wer der Mann ist. Dann kann er uns auch sagen, ob er die Hilfe überhaupt annehmen will."

Zum Vorwurf, man könne doch einem Mann nicht helfen, den man nicht einmal kenne, ja nicht einmal wisse, ob er Hilfe haben will oder benötige, schreibt Neumann auf seiner facebook-Seite:

"Ich geh nun mal von mir aus .. wenn man mir mein zuhause nehmen will.. quasi alles was ich ausser den Klamotten am leib die ich trage, dann hör ich mir die hilfebietenden zumindest einmal an. und wenn der gute mann das nicht wünscht, oder keinen kontakt zu uns möchte, .. dann kann ich damit sehr gut leben - denn dann scheint der mann "zufrieden" zu sein .. und für sein Problem oder die Probleme anderstweitige hilfe erhalten .. oder sich selbst helfen können."


Ob der Mann Das einzig bisher Bekannte über den fremden Mann kommt von der Polizei: "Der Mann liegt im Krankenhaus und es ist unklar, wann er wieder herauskommen wird."

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