3:0 gegen Wolfsburg: SC siegt auch ohne Tore von Cissé

Amelie Herberg

Der Knoten scheint geplatzt: Mit einem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg sicherte sich der SC Freiburg gestern den ersten Sieg in dieser Saison. Dabei feierte die Nordtribüne am Ende ausgerechnet Einen, der dazu gar keinen Treffer beigetragen hatte: Papiss Demba Cissé.



Alexander Madlung schüttelte immer und immer wieder den Kopf. 3:0 stand es zu diesem Zeitpunkt bereits für den SC Freiburg, noch waren 20 Minuten zu spielen. Aber bereits jetzt war dem Wolfsburger Verteidiger klar: Dieses Spiel würde seine Mannschaft nicht mehr drehen können. Dabei war unter den Freiburger Fans die Chance auf die ersten drei Punkte in dieser Saison vor dem Anpfiff gar nicht entscheidend gewesen. Die bestimmende Frage auf Nord war vielmehr: Bleibt er oder geht er? Das Spiel gegen Wolfsburg – sollte es das letzte für Papiss Demba Cissé im Trikot des SC Freiburg sein, das letzte Spiel, bei dem der Papiss-Demba-Cissé-Gesang mit dem besonders langen e am Ende durchs Stadion hallt?


Die Angst, demnächst ohne den Top-Torjäger auskommen zu müssen, war vor Spielbeginn unter den Fans spürbar. Da war es gegen 15 Uhr fast schon eine kleine Erlösung, als Cissé zum Aufwärmen den Rasen betrat und sich auf der Nordtribüne zum ersten Mal der ‚Papiss Demba-Cissé‘-Ruf seinen Weg bahnte. Nicht zum letzten Mal an diesem Nachmittag.

Die Sympathie-Bekundungen für den Stürmer haben sogar den Weg in die sozialen Netzwerke gefunden. Ticket-Drehkreuze und Zigaretten-Automaten im Badenova-Stadion waren mit Flyern gepflastert, ‚Cissé muss bleiben“ stand darauf, mit dem Bild des ‚Gefällt mir‘-Buttons.

Am Gitter zwischen Fanblock und Rasen klebten Zettel mit dem Hinweis auf die entsprechende Facebook-Gruppe Papiss Demba Cissé muss bleiben. Unter der Woche hatte der Stürmer noch den Wunsch geäußert, zu einem besseren Club wechseln zu wollen. Der Verein wiegelte jedoch schnell ab. Trotzdem sollen weiterhin internationale Klubs interessiert sein, darunter der englische Erstligist FC Fulham oder der russische Europa-League-Teilnehmer Rubin Kasan.



Die Offerten aus Großbritannien oder Russland waren Simon Müller aus Lörrach gestern Nachmittag egal. Cissé gehöre zum SC – und das soll auch nach Mittwoch noch so sein, wenn die Transferphase für diese Hinrunde zu Ende geht. „Papiss Demba Cissé – Du bist ein Freiburger“ stand auf seinem Plakat, dass er auf Nord zum Anpfiff in die Höhe reckte. „Ohne ihn wird es schwer, in der ersten Liga zu bleiben“, sagte der SC-Fan.



Die Partie gegen Wolfsburg zeigte jedoch: Tore schießen können auch die anderen. Verteidiger Oliver Barth köpfte zum 1:0 (30.), Erik Jendrisek traf 10 Minuten später zum 2:0. Das I-Tüpfelchen setzte Cedrick Makiadi in der 60. Minute mit einem Volley-Schuss ins obere rechte Eck ins Tor von Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio. Die mit vielen Neuzugängen nach Freiburg gereisten Wolfsburger wirkten in weiten Teilen des Spiels unorganisiert und planlos. Je mehr ihr Coach Felix Magath am Spielfeldrand darüber tobte, desto besser fand der SC ins Spiel, kombinierte und spielte schnell nach vorne, ohne dabei wie zuletzt die eigene Abwehr vollkommen aus den Augen zu verlieren.

Der Sieg hätte noch höher ausfallen können. Cissé vergab schon in der ersten Hälfte eine hochkarätige Chance und hätte auch in der zweiten Halbzeit durchaus einen Treffer erzielen können. Mit jeder vergebenen Gelegenheit hallte es quasi als Antwort von der Nord nochmal ein bisschen lauter „Papiss Demba Cisséeeeee!"

Sie sangen: „Papiss du bist ein Freiburger, oh Papiss, du bist ein Freiburger.“ Ganz so, als wollten sie sagen: Du gehörst zu uns, zum Team, selbst dann, wenn du gerade mal nicht triffst. Denn der Senegalese zeigte auch ohne eigene Treffer einmal mehr, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Cissé dirgierte seine Mitspieler, bereitete ein Tor vor und zog durch seine Umtriebigkeit die Aufmerksamkeit der gesamten Wolfsburger Abwehr auf sich.



Bei aller Freude über den Heimsieg blieb nach dem Abpfiff also die Unsicherheit: Bleibt er oder geht er? Simon Müller streckte ein letztes Mal sein Plakat hoch. „Wenigstens die Hinrunde soll er noch bleiben. Wenn es nicht anders geht, dann soll er eben in der Winterpause wechseln“, hatte er in der Halbzeitpause zuvor gesagt.

Als Cissé nach dem Humba mit der Mannschaft zum Interview bei Sky antritt, rufen die Fans noch einmal. „Papiss Demba Cisséeeee“, mit einem besonders langem e am Ende, hallt durch die Nordtribüne. Zum letzten Mal? Im Interview weicht Cissé den Fragen des Reporters aus. Die endgültige Antwort wird es also erst am Mittwoch geben, wenn die Transferliste schließt.



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[Fotos: 1,2,3,6 Amelie Herberg, 4,5 dpa]