27. November 1944: Wo Spuren des Luftangriffs auf Freiburg noch heute zu sehen sind

Carola Schark

Auch 70 Jahre nach dem Bombenangriff am 27. November 1944 sind in Freiburg noch Spuren der Zerstörung zu erkennen. Wir zeigen, wo noch heute Luftschutzpfeile den Weg zur Sicherheit weisen und Trümmerlücken frei stehen.

Anders als Bächle und Gässle fallen die Spuren der Zerstörung erst auf den zweiten Blick auf. Pfeile an Fassaden verweisen auf Luftschutzkeller; architektonische Brüche irritieren; Kunstwerke setzen sich mit dem Kriegsgeschehen auseinander. Zudem gibt es in der Stadt immer noch Trümmerlücken und Behelfsläden. Der nächtliche Angriff der Royal Air Force, der nur 23 Minuten dauerte, hat das Gesicht Freiburgs für immer verändert. Die Kriegswunden und Relikte des Zweiten Weltkriegs sind und bleiben eine Mahnung.  


Karte: Wo Spuren des Luftangriffs auf Freiburg heute noch sichtbar sind





Spuren der Einschläge

Das heutige Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften der Universität weist immer noch Bombenschäden auf. Das Gebäude in der Albertstraße 23b war besonders im Mittelteil stark beschädigt. Die Spuren des Krieges hat das Universitätsbauamt bewusst so gelassen, um die Geschichte nicht zu verdecken, wie Ralph Milatz von der Behörde erklärt. Am Haus finden sich an den Seitenteilen auch Luftschutzpfeile, die bei Flächenbränden den Weg ins Grüne zeigen sollten.



Brüche in der Architektur

Ein architektonischer Bruch in der Fasade kann auf eine Kriegszerstörung hindeuten – wie hier in der Ludwigstraße 3 im Stadtteil Neuburg, wo erhaltene Teile des zerstörten Vorgängergebäudes beim Wiederaufbau wiederverwendet wurden. Viele Häuser, vor allem in der Altstadt, im Stühlinger und in Neuburg, zeigen noch ihre Wunden aus jener Zeit.



Luftschutzpfeile

Von Januar 1944 an galt in Freiburg die Verpflichtung, Luftschutzpfeile mit nachleuchtender Farbe auf der Fassade anzubringen. Von diesen auch bei Verdunklung gut erkennbaren Wegweisern sind in der Stadt noch etwa 50 Stück erhalten. Die Aufschrift "Hof" sollte bei Flächenbränden den Weg ins rettende Freie weisen. Hier ein  Beispiel aus der Wiehre, das in den vergangenen Wochen aber entfernt wurde.



Markierte Treppen

Auch Schlösser haben dunkle Stunden erlebt: Die im Dunkeln leuchtenden Treppenmarkierungen im Schloss Ebnet sollten gewährleisten, dass man auch bei Stromausfall den Weg in den Luftschutzkeller findet. Übrigens ist der Luftschutzkeller in diesem prächtigen historischen Gebäude noch vorhanden.



Kriegskunst im Hinterhof

In der Jacob-Burckhardt-Straße 3 im Stadtteil Neuburg findet sich im Innenhof ein besonderes Kunstwerk. Die auf dem Grundstück in das Hinterhaus eingeschlagene Fliegerbombe wurde vom Künstler Matthias Dämpfle in die Gartenmauer eingefügt. Stadtrat und Hauseigentümer Atai Keller hat sie als Mahnmal anbringen lassen.



Denkmäler und Gedenktafeln

Wer genau hinschaut, findet in der Stadt einige private und öffentliche Erinnerungsorte. Ein verbogenes Maschinenteil lässt zum Beispiel in der Hermann-Herder-Straße 4 innehalten. Die lateinische Inschrift erzählt sinngemäß vom Kriegsgott, der mit Feuerbomben schreckliche Gewalt ausgestreut hat. Auch der Herder-Verlag bot in der Bombennacht einen schaurigen Anblick mit seinen blutroten Fensteröffnungen, hinter denen die Flammen tobten.



Notgepäck eines Kindes

Ausweis, Geld, Notration. Den vielen betroffenen Kindern war ein Stofftier als Trost wichtiger. Bärchen Butzi war in der Kaiser-Joseph-Straße unter den Trümmern verschüttet, während Besitzer Wolfgang Ziefle mit seiner Familie nur knapp dem Tod entkam. Der einstürzende Turmhelm von St.Martin am Rathausplatz hatte zunächst den rettenden Ausgang versperrt.

Nach dem Ausgraben des Rucksacks war die Wiedersehensfreude groß. Der betagte Butzi wird heute noch in Ehren gehalten als Erinnerung an einen Lichtblick in finsterer Zeit.

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  [Fotos: Carola Schark, Arnd Henke]