Freiburg

25 Polizisten extra für das angeknackste Sicherheitsgefühl

Joachim Röderer

Hilfe aus Stuttgart: Nach den Mordfällen verlegt die Landesregierung für mindestens zwei Monate zusätzliche Polizeibeamte nach Freiburg. Der Einsatz beginnt schon am Samstag.

Die Landesregierung verlegt einen Einsatzzug der Bereitschaftspolizei mit 25 Polizistinnen und Polizisten nach Freiburg. Die zusätzlichen Ordnungskräfte sollen bereits von diesem Samstag an in der Stadt sichtbar sein. Damit reagiert die Politik auf das angeknackste Sicherheitsgefühl in Stadt und Region nach den beiden Mordfällen Maria L. und Carolin G.. Ob, wie und wann das Polizeipräsidium Freiburg in Zukunft dauerhaft aufgestockt wird, dazu wollte Staatssekretär Martin Jäger beim Pressetermin im Rathaus keine näheren Angaben machen.


Auftrag: Das subjektive Gefühl der Sicherheit stärken

"Die Landesregierung nimmt die Situation sehr ernst", meinte Jäger, Staatssekretär im Innenministerium, zur Sicherheitslage in Freiburg. Für mindestens zwei Monate wird ein Einsatzzug nach Freiburg gelegt. Am Samstag beginnt deren Mission. Der erste Auftrag lautet: Das subjektive Gefühl der Sicherheit in der Bevölkerung zu stärken.

Dass Freiburg von der Alltagskriminalität stärker betroffen sei als andere Städte, liegt laut Jäger an der Attraktivität Freiburgs als Uni- und Szenestadt und auch an der Grenznähe.

Mehr als 100 Beamten arbeiten in den Sonderkommissionen

Was die Mordfälle in Freiburg und Endingen anbelangt, bekräftigte der Staatssekretär, dass deren Aufklärung oberste Priorität habe. Mehr als 100 Beamte würden in den beiden Sonderkommissionen quasi Tag und Nacht arbeiten. Auch das Landeskriminalamt und das Kriminaltechnische Institut seien stark eingebunden. Jäger: "Wir drehen jeden Stein um und wir werden nicht ruhen, bis die beiden Fälle aufgeklärt sind."

Salomon: Zum ersten Mal das Gefühl, gehört zu werden

Oberbürgermeister Dieter Salomon hatte über die Angst und Verunsicherung berichtet, die vor allem bei Frauen herrsche, wenn diese nachts in der Stadt unterwegs seien: "Das ist ein Zustand, den man eigentlich nicht tolerieren, den man aber auch nicht sofort beenden kann."

Seit acht Jahren setze er sich dafür ein, dass die Polizei in Freiburg mehr Personal bekomme. Zum ersten Mal, so der OB, habe er das Gefühl, dass er gehört werde. Die neue Landesregierung will die Stellen nach neuen Kriterien verteilen, bei denen die Zahl der Straftaten und der Einsätze ein stärkeres Gewicht hat. Die 25 zusätzlichen Beamten hält Salomon auf alle Fälle für eine Hilfe, "auch wenn wir dadurch nicht von heute auf morgen in der Kriminalitätsstatistik den ersten Platz abgeben werden", so der OB.

Landesweit bis neue 280 Stellen im Verwaltungsbereich

Die Regierung will landesweit erst einmal 250 bis 280 Stellen im Verwaltungsbereich der Polizei aufstocken, damit Mitarbeiter für den Vollzugsdienst frei werden. Was in Freiburg an neuen Stellen ankomme, das konnte auch der Staatssekretär am Freitag nicht sagen. Es ist bekannt, dass die Arbeitsbelastung der Polizei in Freiburg extrem hoch ist, was sich auch am Überstundenberg und am Krankenstand ablesen lässt. Die Probleme ließen sich, so sagen Insider, nur durch 100 zusätzliche Stellen lösen.

Freiburger Polizei: Schon vor den Mordfällen am Anschlag

"Ich rede nicht über Zahlen", meinte Polizeipräsident Bernhard Rotzinger. Er machte aber deutlich, dass seine Leute schon am Anschlag arbeiteten, bevor die beiden Mordkommissionen installiert werden mussten.

Rotzinger verwies darauf, dass die Freiburger Polizei schon in den vergangenen Wochen Personal aus Nachbarpräsidien zur Unterstützung bekommen habe. Die jetzt zugesagten 25 Frau und Mann sollen in Freiburg vor allem in der Altstadt Präsenz zeigen und auch an Brennpunkten: "Wo sich Kriminalität zeigt, da werden wir sein", so Rotzinger.

Sicherheitspartnerschaften mit Städten

Staatssekretär Jäger kündigte auch an, dass das Land Sicherheitspartnerschaften mit Städten schaffen wolle. Das erste Modellprojekt solle im kommenden Jahr in Freiburg starten. Gemeinsam wolle man "passgenaue Lösungen" finden. Der Gast aus Stuttgart besuchte noch die beiden Polizeireviere Nord und auch die Sonderkommissionen, die in den beiden Mordfällen ermitteln. Und Staatssekretär Jäger erkundete auch einen der berüchtigten Freiburger Brennpunkte. Er schaute am Nachmittag auf dem Stühlinger Kirchplatz vorbei.

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