25 Jahre Ensemble Recherche: Die Liebe zu den schrägen Klängen

Stephan Elsemann

Das ensemble recherche wird 25! Eine der weltweit renommiertesten Musikformationen für neue Musik feiert am Samstag im Morat-Institut ihren Geburtstag: Mehr als 30 Komponisten haben Liebeslieder geschrieben, die als Rekordzahl zu ihren Uraufführungen gelangen. Stephan hat einige der Musiker nach dem Zauber der neuen Musik befragt.



Christian Dierstein, 44 Jahre, Schlagzeuger

Es ist die permanente Klangsuche, die mich begeistert und auch die Vielfalt. Das Instrumentarium ist sehr groß. Es ist die Pauke, aber eben auch Blumentöpfe, auf denen ich spiele und jetzt für die Liebeslieder werde ich durch Kies laufen. Im Baumarkt überlege ich, was ich mit Abflussrohren für Klänge erzeugen kann. Als Solostücke hab ich zwei Stücke für Körperperkussion, das heißt ohne Instrumente ausgewählt, eins heißt "Poem für einen Springer", da geht es darum, mit Springen Geräusche zu machen, das andere heißt "Poem für einen Rumpf".



Shizuyo Oka, 39 Jahre, Klarinette

Es gibt gar nicht so große Unterschiede zwischen klassischer und neuer Musik. Es gibt eben gute und nicht so gute Musik. Ich werde ein Stück von Karlheinz Stockhausen spielen, ein Stück für Bassklarinette aus dem Zyklus "Klang". Wenn ich in Japan Programme aus klassischen und neuen Stücken für Jugendliche spiele, bekomme ich oft zu hören: Stockhausen, das war cool.



Martin Fahlenbock, 51 Jahre, Querflöte

Meine Liebe zur neuen Musik ist die Liebe zum unerwarteten Hörerlebnis. Das ist es, was mich bis heute fasziniert. Ich finde, wir hören zu oft Dinge, die wir im voraus erwarten – wie bei Talkshows, man weiß schon, was gesagt wird. Ich werde ein Stück von Klaus Huber spielen "...Plainte...", ein sehr zartes, fragiles Stück. Klaus Huber war ein ganz wichtiger Ideengeber für uns. Er sagte uns: "Ihr müsst ein Ensemble gründen."



Melise Mellinger, 51 Jahre, Violine

Ich habe keine Lieblingsstücke. Das ist so wie mit Müttern, die ein braves und ein Problemkind haben: Das Problemkind bekommt mehr Aufmerksamkeit und ein schwieriges Stück kann zum Lieblingsstück werden. Ich werde eins von Isabel Mundry spielen. Da darf man ruhig mal den Kopf zu Hause lassen, dem Gefühl nachgeben und der Musik lauschen.

 

Barbara Maurer, 46, Bratsche

Bei neuer Musik, da leben die Komponisten noch. Während komponiert wird, kann von mir eine Idee einfließen, es gibt einen Austausch. Meine Wahl fürs Solostück war ganz leicht. "Iti Ke Mi" von Pierre Luigi Billone, ein Stück, das von einem Mann für eien Frau geschrieben wurde. Es geht um Liebe, um Sprache, um Mann und Frau, ein geniales Werk. Wenn die Welt untergeht, das Stück wird immer noch gespielt werden.



Was: Ensemble Recherche - Ein Vierteljahrhundert

Wann: Samstag, 12. Juni 2010, 15-18 Uhr: Solostücke aus den letzten 25 Jahren, 19 Uhr: Liebe(s)lieder

Wo: Morat-Institut, Lörracher Straße 31, 79115 Freiburg

Tickets: Eintritt: 17,50 Euro / 10 Euro ermäßigt

Ensemble recherche spielt Stockhausens "Prozession"

[youtube LBz8Sf4EyyI nolink] Quelle: YouTube  

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