24-Stunden-Comics: "Als Versuch ist das ganz schön grenzwertig"

Carolin Buchheim

In 24 Stunden einen ganzen Comic zeichnen - das wollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Freiburger 24-Stunden-Comix-Aktion. Los geht's am Samstag, 2. November, um 12 Uhr. Warum macht man das? Carolin Buchheim hat mit Mitinitiator Holger Schiel gesprochen:



In 24 Stunden einen Comic zeichnen – warum tut man sich das an?

Holger Schiel: Beim 24-Stunden-Comiczeichnen treffen Leute aufeinander, die Lust auf Zeichnen haben und den besonderen Charme von 24 Stunden am Stück durcharbeiten erleben wollen. Dabei entstehen sehr spezielle Sachen, und man durchlebt total verschiedene Phasen. Vom langsamen Anfang, über euphorisches Weiterarbeiten, kurz mal Abstürzen, bis hin zum Einschlafen und dann doch noch bis zum nächsten Tag um 12 Durchhalten.

Es ist sehr spannend, aber mit viel Kaffee und Kuchen klappt das immer. Wenn man 24 Stunden am Stück durcharbeitet, können sehr spezielle Sachen entstehen.

Warum profitiert die Kreativität von den Regeln einer solchen Aktion?

Die Regeln stecken keine Grenze ab, sie bestimmen einen Erwartungsmaßstab und sind eine Motivationsstütze. Außerdem machen sie die Ergebnisse vergleichbar. Du musst in 24 Stunden 100 Panels – das sind die Kästen im Comic - oder 24 Seiten anfertigen. Ich weiß nicht, ob alle Menschen so drauf sind, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass wir immer so einen Abgabetermin, einen Zwang brauchen. Manche sehen es bestimmt auch als Wettkampf an – gegen sich selbst und andere.

Wie geht's einem dabei?

Als Versuch ist das ganz schön grenzwertig. Ich habe bei meiner letzten Teilnahme in Weimar um zwei Minuten vor 12 den letzten Strich gesetzt. Mit dem Ergebnis war ich zufrieden. Es war ein sehr autobiografischer Comic. Inhaltlich ist er sehr gut gelungen, zeichnerisch ist er immer besser geworden, selbstbewusster und bestimmter. Natürlich kann man nachher immer sagen, dass man etwas hätte anders machen können, aber darum geht es nicht. Es ist schön, etwas erschaffen zu haben.

 

Davon abgesehen ist alles erlaubt?

Ja. Die Technik ist frei, die Themen sind frei, aber es wäre schon, wenn alle auf dem A4-Format arbeiten würden, dann könnte man am Ende ein gemeinsames Zine veröffentlichen. Ich hab beim 24-Stunden-Zeichnen schon alles erlebt – Leute, die ihr Grafiktablett dabei hatten und alles am Computer gezeichnet und dann ausgedruckt haben, Menschen, die Collagen geklebt oder Malereien angefertigt haben. Das Medium Comic ist diesbezüglich ja sehr vielfältig geworden.

Als einer der Veranstalter bin ich sehr offen, was die gewählten Methoden angeht, wobei ich mich als Zeichner natürlich besonders auf die Begegnung mit anderen Zeichnern freue. Es ist nicht so einfach, andere Zeichner zu finden, mit denen man sich austauschen kann, zum gucken, lernen und begeistert sein. Zeichner zusammenzubringen, das ist ganz schön schwer, die Leute sind oft individualistisch und zerstreut!

Was macht für dich den Reiz am Comics zeichnen aus?

Zeichnen ist mein Ausdruck, das mache ich seit ich zwei, drei bin. So wie andere Leute Musik machen oder Gedichte schreiben zeichne ich. Mit Comics bin ich aufgewachsen – aber in einer sehr comicfeindlichen Umgebung. Meine Familie hatte einen etwas tradierten Blick auf Comics, die musste ich erst noch überzeugen. Im Vergleich zum franko-belgischen Raum ist die Comictradition in Deutschland ja noch ziemlich jung.

Mein Vater hat erzählt, dass in seiner Schulzeit die Comics noch direkt aus der Tasche in die Heizung der Schule gewandert sind, da ist dann klar, was hier für ein Blick auf Comics war. Das Comic eine eigene Kunstrichtung sind, das ist in Deutschland einfach noch nicht vollkommen etabliert. Es gibt ja hier auch noch keine Möglichkeit, Comics explizit zu lernen oder zu studieren, das ist in Frankreich oder Belgien ja ganz anders.

Comics sind einfach ein ganz eigenes Universum. Ich bin mit "Tim & Struppi" aufgewachsen, und das ist der Klassiker schlechthin. Darin kann man eintauchen. So wie andere Fantasyromane lesen oder Onlinespiele spielen, verliere ich mich im Comic-Paralleluniversum.

24-Stunden-Comics

Der US-amerikanische Comiczeicher Scott McCloud erfand 1990 die Grundregeln für "24-Hour-Comics" als Herausforderung für sich selbst und seinen Kollegen Steve Bissette.

Seitdem finden weltweit Zeichenaktionen nach dieser Methode statt. Für das 24h-Comix-Zeichnen am 2. und 3. November 2013 im Café des Wohnprojekt S.U.S.I. haben sich bisher sieben Zeichnerinnen und Zeichner angemeldet, weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind willkommen. Die Aktion startet am Samstag, 2. November um 11 Uhr, ab 12 Uhr wird gezeichnet. Am Sonntag um 12 Uhr findet eine Vernissage der Comics mit Brunch statt. 



Mehr dazu:

Was: 24h-Comix-Zeichnen in Freiburg
Wann: Samstag, 2. 12 Uhr bis Sonntag, 3. November 2013, 12 Uhr. Samstags um 11 Uhr Start-Treffen, End-Vernissage am Sonntag ab 12 Uhr
Wo: Café der S.U.S.I, Vauban-Allee 2 [Bilder: Holger Schiel]