22-Jähriger soll Opfer mit dem Messer bedroht und zum Geldabheben gezwungen haben

Merlin Gröber

Er musste seinen Drogenkonsum finanzieren. Der junge Mann soll mit dem Messer in der Hand seine Opfer gezwungen haben, Geld herauszurücken. Zweimal verlangte er, Geld am Automaten abzuheben.



"Gib das her, oder ich stech' dich ab": Mit einem Messer bewaffnet soll ein 22-Jähriger auf offener Straße mehrere Geschädigte zur Herausgabe ihrer Wertgegenstände gezwungen haben. Nach dreimonatiger Untersuchungshaft hat das Landgericht am Dienstag den Prozess gegen den jungen Tatverdächtigen wegen räuberischen Diebstahls, Körperverletzung und räuberischer Erpressung eröffnet. Die Vorfälle ereigneten sich im Juli und August vergangenen Jahres.


In Handschellen und eskortiert von zwei Justizbeamten betrat der 22-jährige Angeklagte den Sitzungssaal. Die Anklage liest sich wie eine Ansammlung filmreifer Diebstähle: Auf einem Roller soll der Angeklagte im Vorbeifahren die Handtaschen von Fahrradfahrerinnen vom Gepäckträger gestohlen haben.

Außerdem soll er mit einem Messer in der Hand am frühen Morgen des 22. August 2015 in der Nähe des Eisstadions einen jungen Mann zur Herausgabe seiner Wertsachen gezwungen zu haben, andernfalls werde er ihn abstechen. Anschließend folgte der Angeklagte dem Geschädigten in dessen Wohnung, entwendete dort eine Bankkarte samt PIN und hob mehrere hundert Euro von einem nahe gelegenen Geldautomaten ab.

"Er drohte, mir in den Bauch zu stechen"

Ähnlich soll der Angeklagte bei einer weiteren Straftat vorgegangen sein. Er stoppte einen Radfahrer, hielt ihm das Messer vor und nahm ihm den Geldbeutel weg. Als er nur fünf Euro darin fand, setzte er sich auf den Gepäckträger des Opfers und zwang es ebenfalls, zu einem Bankautomaten zu fahren, um weiteres Bargeld abzuheben. "Er drohte, mir in den Bauch zu stechen", gab der Geschädigte später zu Protokoll.

Während der Angeklagte die Handtaschendiebstähle bestreitet, zeigte er sich reumütig, was die beiden anderen Anklagepunkte angeht. "Es tut mir leid", beteuerte er. Warum er die Straftaten begangen habe, wollte der Vorsitzende Richter Arne Wiemann wissen. Der Angeklagte schaute zu Boden. "Ich habe damit meinen Drogenkonsum finanziert", sagte er.

Nach eigenen Angaben hatte er bereits mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Cannabis zu konsumieren. "Zuletzt waren es drei bis vier Gramm täglich", gestand er. Am Wochenende und auf Partys habe er auch Kokain und Ecstasy ausprobiert. "Aber nicht regelmäßig." Mit dem Drogenkonsum sei es nun aber vorbei: "Das bringt mir nichts, die Drogen können Leben zerstören".

Der Angeklagte war in der Vergangenheit mehrfach straffällig geworden, das Vorstrafenregister umfasst unter anderem Verurteilungen wegen schweren Raubes, Erschleichens von Leistungen, sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie wegen diverser Körperverletzungen. Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil wird in zwei Wochen erwartet.

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