Schwieriger Einsatz

200 Liter hochgiftige Säure bei Brand in Solar-Info-Center ausgelaufen

Joachim Röderer & Alexandra Röderer

Beim Brand im Solar-Info-Center in Freiburg sind mindestens 200 Liter hochgiftige Flusssäure ausgelaufen. Sie verletzte sechs Feuerwehrleute, vier befinden sich noch in der Klinik.

Der schwierige Einsatz der Feuerwehr am Solar-Info-Center an der Messe im Freiburger Westen dauert auch am Samstag noch an. In einem Labor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE im Untergeschoss des linken Gebäudeflügels war am Freitag kurz vor 11 Uhr ein Feuer ausgebrochen. Der Rauch war kilometerweit zu sehen. Als Brandursache gilt ein technischer Defekt.


Wehrleute der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Wehren starteten den ersten Löschangriff durch diesen dichten Rauch – und arbeiteten sich mit Hilfe einer Wärmebildkamera zum Brandherd im Labor vor. "Nur durch dieses schnelle und beherzte Eingreifen konnte verhindert werden, dass sich das Feuer noch weiter ausbreitete", lobte Ralf-Jörg Hohloch, der Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz und Chef der Feuerwehr, seine Leute.

Durch den Brand sind in dem Labor mindestens 200 Liter hochgiftige Flusssäure ausgelaufen. Die Säure floss auch durch Schächte in der Betondecke in die unter dem Labor liegende Tiefgarage, wo die Feuerwehr alle Abflussschächte sicherte.

Flusssäure verursacht schwere Verätzungen

Flusssäure oder Fluorwasserstoffsäure wird zum Ätzen von Glas und Metallen eingesetzt. Sie muss je nach Konzentration in Kunststoff- oder Edelstahlbehältern gelagert werden, durch Metall und Beton ätzt sie sich durch. Es handelt sich um ein starkes Kontaktgift, das rasch die Haut durchdringt und tiefere Gewebeschichten und sogar Knochen verätzen kann.

Besonders tückisch: Die betroffene Stelle schmerzt oft erst nach mehreren Stunden. Flusssäure bedroht zudem den Stoffwechsel, die Leber- und Nierenfunktion. Eine handtellergroße Verätzung durch 40-prozentige Flusssäure verläuft in der Regel tödlich.

Säure tropfte Feuerwehrmann in den Nacken

Sechs Feuerwehrleute wurden bei dem Einsatz im Solar-Center verletzt, zwei konnten noch am Freitag wieder nach Hause entlassen werden. Von den vier schwerer Verletzten klagen zwei über Reizungen der Atemwege. Zwei weitere Wehrleute haben Säure auf die Haut bekommen. Bei einem Betroffenen, dem das Kontaktgift in den Nacken getropft ist, kam es zu einer Schwellung. Die Ärzte werden am Samstag entscheiden, ob der Verletzte operiert werden muss.

Gewerbeaufsicht und Umweltschutzamt werden weitere Untersuchungen am Solar-Info-Center vornehmen – dabei geht es auch um die Auswirkungen auf andere Gebäudeteile und die Arbeitsplätze dort. Das Labor soll vorschriftsmäßig in einer Wanne errichtet worden sein. Offen ist, wie trotzdem Säure nach unten durchsickern konnte. Die Polizei hat zudem den Brandort für weitere Ermittlungen zur Ursache beschlagnahmt. Der Schaden liegt in Millionenhöhe.

Feuerwehranzüge müssen ersetzt werden

Auch die Feuerwehr wird Teile ihrer Ausrüstung und die neuen Schutzanzüge, die in Kontakt mit der Säure kamen, nicht mehr verwenden können und austauschen müssen, so Branddirektor Hohloch: "Man hat bei diesem Einsatz gesehen, wie wichtig es war, dass wir diese neuen Schutzanzüge angeschafft haben."

Der Brand hatte am Freitag auch für einen Großeinsatz bei Maltesern, Johannitern und Rotem Kreuz gesorgt, die mit 86 überwiegend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und 23 Fahrzeugen im Einsatz waren. Sie kümmerten sich nicht nur um die kontaminierten Feuerwehrleute, sondern betreuten während des Einsatzes auch die Mitarbeiter des Solar-Info-Centers, die beim Alarm teils ohne Jacken das Gebäude verlassen hatten.

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