20 Jahre Crash: Der Anekdoten-Countdown

David Weigend

Die Macher des Crash Musikkellers feiern im Juni ihr 20jähriges Betriebsjubiläum. Einer von ihnen ist Holger Bührle (40), der einzige Nicht-Tätowierte aus der Crashcrew. Typ: Malocher, wichtiger Mann im Hintergrund. Bei fudder packt er aus: von der Weihnachtsschießerei bis zum Polterabend mit den Hosen. Carbonweste drüber und ab dafür.



20. Das lauteste Crash-Konzert

Alien Sex Fiend. Die haben bis zum Anschlag aufgedreht.

19. Der schrägste Abend

Einmal haben die Toten Hosen auf einem Polterabend in Merzhausen gespielt. Danach bin ich mit Campino noch ins Elpi gegangen. Im Crash haben die Hosen natürlich auch schon gemuckt.

18. Die größte Schwäche

Die Stromleitung, seit Jahren viel zu schwach. Deshalb auch die Stromausfälle bei den letzten Konzerten. Wir brauchen eine neue Zuleitung von der Badenova. Die kostet ziemlich viel Geld. Aber dieses Jahr wollen wir sie noch legen lassen.



17. Die aufwändigste Renovierung

Das Sandstrahlen der Wände. Da sah es hier aus wie nach einem Bombeneinschlag. Nach der Aktion lag auf dem Boden eine 4 Zentimeter hohe Sandschicht. Rohbaufeeling.

16. Die schlimmste Verletzung

Ein Messerstich, etwa 1995. Die Narbe ist etwa 25 Zentimeter lang und zieht sich über meine linke Bauchpartie. Die Messerstecherei passierte oben an der Tür. Eine Gruppe aus Haslach hat am Eingang einen Jungen zusammengetreten. Da bin ich dazwischen gegangen.

Dann kam der von hinten und hat mir das Messer reingehauen. Der Werner, der hier auch angestellt war, wurde gestupft. Ich habe es so richtig satt reinbekommen. Bin gleich auf dem OP-Tisch gelandet.

Der Messerstecher war vorbestraft und kam mit einer niedlichen Jugendstrafe davon.



15. Der respektvollste Polizeieinsatz

Wenn die Polizei ins Crash gekommen sind, dann mit 40 Mann. Drei standen oben an den Autos, alle 40 haben die Mützen abgenommen. Polizeimützen galten bei Crashbesuchern lang als Trophäe.

14. Die tiefste Wurzel

...vom Crash liegt im Schwarzwaldhof. Das war ein Areal an der Schwarzwaldstraße. Es begann ein paar Häuser nach der Arena Bar und ging bis zur Einmündung der Talstraße. Zweistöckige Siedlungshäuser und mittendrin ein Keller. Den haben sich damals die Punks gegrapscht.

Ein Punk war ich nie. Eher so ein Freak. Lange Haare, Armyjacke, kaputte Jeans.

Es ging schon ab zu dieser Zeit. Die Haslacher sind manchmal zum Schwarzwaldhof gekommen zum Randalieren; dann sind die Punks wieder nach Haslach auf irgend eine Party. Da hat man sich noch schön geärgert.

Wie auch immer, in diesem Keller wurde das erste Crash geboren. Dann wechselte es ins AZ im Grün. Das AZ ist abgebrannt. So wurde das Crash in die Schnewlinstraße verlegt, den heutigen Standort.



13. Die maximale Leistung

...der Crash-Anlage liegt bei 12 KW. Solange die neue Stromleitung nicht gelegt ist, können wir aber nur die halbe Leistung fahren. Der Drifters Club hängt ja auch noch an diesem kleinen Kabel dran.

12. Die exzessivste Backstageparty

..feierte die Münchner Punkband Ausgebombt. Der Sänger heißt Lepra. So ein 150 Kilo-Typ. Voll der Punk. Mit denen war's immer furchtbar flüssig. Die haben mich dazu verpflichtet, mitzufeiern.

11. Der familiärste Ausflug

...endete mit der englischen Punkband GBH im Freizeitpark Steinwasen. Die GBH waren im Crash eh zu Hause. Am Tag nach dem Gig sind wir mit denen da hoch in den Schwarzwald auf die Rutschbahn.



10. Der bizarrste Tourbegleiter

Sicherlich der Vater vom Adicts-Sänger Keith "Monkey" Warren. Der ist immer dabei gewesen, hat sich zu mir ans Mischpult gestellt und Wert darauf gelegt, dass während der Show seines Sohns alles stimmt: "Mach das Licht anders!", und so weiter. Lustig.

09. Die durchgeknallteste Bühnenshow

...lieferten GWAR ab. Das sind ja Kunststudenten, die ihre Masken selber machen. Wenn du eine Gwar-Tour hast, kommen irgendwann die Pakete mit den Reservemasken, so Silikon-Schlabberteile. Jedenfalls kamen die etwa 88 ins Crash, da hatten sie gerade die zweite Scheibe draußen, "Hell-O". Die Herren Musiker sagten: "Wir bringen unsere eigene Anlage mit." Haben sie natürlich nicht gemacht. Das wurde mordsstressig. Ich musste alles machen an dem Abend. Aufbauen, Licht, Sound, alles.

Ich habe mir Plastikplane um den Hals gewickelt, weil die so rumgespritzt haben. Die Anlage war geliehen, die musste ich auch komplett zudecken. Ein Horror.

Aber es war ein gutes Konzert. Auch wenn der Dinosaurier stark gekrümmt auf der Bühne rumgeturnt ist. Die haben doch so eine Dinosaurierpuppe, drei Meter groß, der passt natürlich nicht ganz auf unsere Bühne. Deswegen haben sie den Folgegig auch im Haus der Jugend bestritten. GWAR, die Schlammschlacht.



08. Die ekligsten Headliner

...waren King Kurt, das sind Psychobillys. Die haben immer mit Mehl Scheiße gebaut. Das ist ein Bapp, den kriegst du nicht mehr weg. Da siehst du heute noch Spuren, wo das hingespritzt ist. King Kurt, die größsten Drecksäue.

07. Die maximale Crash-Besucherzahl

1200 zahlende Gäste bei einem Gig von Fritz Brause. Das war aber noch bevor Mario Held und ich den Laden übernommen haben.

06. Die fachkundigsten Tattoofreunde

...wahrscheinlich Agnostic Front. Die zeigen erstmal stundenlang ihre neuesten Tattoos und vergleichen sie mit denen von Mario und Hopser.



05. Der schwierigste Künstler

Paul Fenech, Frontmann der Meteors. Der ist mal nach ner Viertelstunde von der Bühne gegangen und hat behauptet, seine Gitarre geht nicht mehr. Ich bin dann hingegangen und hab ihm gesagt: "Die Gitarre geht. Raus!" Sowas kommt vor, dass irgendein Kerl keinen Bock mehr hat. Dabei kommen die Leute doch wegen ihm. Na ja, Fenech hat dann weitergespielt. Gequälterweise.

04. Der professionellste Soundcheck

Ten Years After. Da kam der Roady auf die Bühne, nach drei Minuten war das erledigt. Während der Show haben die vielleicht zweimal eine Korrektur verlangt. Traum. Eine jungfräuliche Regioband hingegen ist meist kaum zu bändigen.

03. Die ungebetensten Gäste

Da kamen mal Zuhälter rein. Vorm Crash standen ihre Autos, voller Pitbulls. Die Zuhälter stellten ne Tasche mit Waffen auf die Theke. Dann sagten sie: "Jetzt machen wir Theke." Wir haben die Polizei angerufen. Die hat gesagt: "Euer Problem." Aber irgendwann haben die Zuhälter gemerkt, dass das doch ein falscher Film war. Die haben wohl gehofft, hier Drogen verkaufen zu können.

02. Die übelste Schießerei

Heiligabend 1993. Einem etwa 20jährigen Typen wurde der Einlass verwehrt, weil er keinen friedlichen Eindruck gemacht hat. Der Mann ist abgezogen, ging zu seinem Auto, hat sich ne Knarre geholt, kam zurück und hat dann ohne Vorwarnung im Eingang geschossen.

Zum Glück hatte seine Pistole eine Ladehemmung. Doch einen Gast hat er im Bauch getroffen, der hat zwei Jahre gebraucht, um sich von dem Schuss zu erholen. Ein Türsteher hat eine Kugel in den Unterarm gekriegt. Der Knarrenmann ist dann abgezischt.

Ein Jahr später haben sie ihn in Köln verhaftet. Die Freiburger Staatsanwaltschaft ist vorher davon ausgegangen, dass das unsere Knarre gewesen wäre. Absurd.



01. Das schönste Werk eines Crashbetreibers

...ist Holgers Schiff, das bei ihm halbfertig im Garten steht: 22 Meter lang, aus Aluminium. Der Rumpf und die Elektrik sind schon fertig. Wenn Bührles Nutzungsvertrag für das Crash 2013 ausläuft, will er auch mit seinem Schiff auslaufen, um genügsam und ruhig übers Meer zu schippern.

Mehr dazu:

  • Wann: 2. Juni bis 30. Juni
  • Wo: Schnewlinstr. 7
  • Preis: An allen veranstaltungsfreien Tagen im Juni ist der Eintritt frei