17 bewegende fudder-Momente aus dem Jahr 2009

fudder-Redaktion

17 fudder-Autoren erinnern sich an ihr persönliches Highlight, das sie dieses Jahr bei der Arbeit erlebt haben. Über eine unerwartete Begegnung, gemeisterte Pannen, ein erinnerungswürdiges Interview und vieles weitere erfahrt ihr in folgendem Almanach.



Franziska Kiedaisch

Germany´s Next Fast-Topmodel Gina-Lisa Lohfink in Freiburg als Friseurpraktikantin? Alles klar, die Geschichte mache ich! Gut gelaunt verlasse ich am 27. Oktober die Fudder-Redaktion gegen 13 Uhr. Vier Stunden später kehre ich geläutert zurück: Mit Haaren, die einem Bilderbuch des schlechten Geschmacks entspringen könnten. Lockengestabte Wellen und gefühlte fünf Tonnen Haarspray zieren meinen Kopf. Die Redaktion lacht mich aus. So ist das wohl - in Gina Lisas Welt.



Manuel Lorenz

Anfang April kaufte ich mir die Zeitschrift Men’s Health. Einen Monat wollte ich dieses Mannsdruckwerk als Leitfaden für mein Leben benutzen. Ich stählte ich Bauch-Bizeps-Brust, erlernte „11 Handgriffe, bei denen Frauen durchdrehen“, ernährte mich ausschließlich von No-Carb-Nudeln und kleidete mich streng nach der Fotostrecke. Bekannte waren verwirrt, Freunde schockiert. Nur meine Freundin blieb gelassen: „Ab Mai macht er wieder auf Bohemien.“



Claudia Kornmeier

Ich besuche Anfang April für fudder den „Tag der offenen Tür im Sonnenobservatorium“. Unten in Freiburg das erste Mal im Jahr T-Shirt-Wetter. Oben auf dem Schauinsland Tiefschnee und zugefrorene Toiletten. Eine Führung durch das Observatorium. Um mich herum Sechsjährige, die besser Bescheid wissen als ein Was-ist-was-Buch.

Der Rückweg: „Lass uns zu Fuß gehen.“ Ist ja eigentlich einfach. Immer nur den Berg runter. Plötzlich führt der Weg aber wieder bergauf. Wir stecken bis zum Knie im Schnee und sind froh, als wir wieder grüne Wiesen sehen.



Gina Kutkat

Ende Juni eröffnet die 57-jährige Chrissie Hynde mit ihren Pretenders das Zelt Musik Festival und ich bin für fudder dabei. Das Konzert finde ich so lala, der musikalische Funke will einfach nicht überspringen. Aber hey! Dort oben steht mit Chrissie Hynde eine wahrhaftige Rock-Chick-Ikone auf der Bühne.

Die ich zufälligerweise am nächsten Tag im Flugzeug der British Airways von Basel nach London wiedersehe. Economy Class, The Pretenders & ich, Chrissie Hynde ist ungeschminkt. Toll.



Till Neumann

Im Rahmen meines Döner-Reports für fudder arbeitete ich im September einen halben Tag in einem Freiburger Dönerladen und lernte in einem Crash-Kurs, Döner zu bauen. Das Fleisch mit der Maschine zu schneiden, hat am meisten Spaß gemacht. Und geschmeckt hat er auch, der Döner „mit scharf“. Ein großer Fleischspieß wiegt übrigens 50 Kilo.



Marc Schätzle

Live-Streams sind ja immer so eine Geschichte, bei der mir graue Haare wachsen, weil die Technik manchmal ohne erklärbaren Grund nicht so will, wie ich will. Ist die Übertragung dann auch noch wie am 3. September eine Wahlkampfveranstaltung der CDU, bei der Angela Merkel auf dem Freiburger Rathausplatz spricht und man davon ausgehen kann, dass viele sich das anschauen wollen, macht das die Nervosität nicht besser.

Im Pressebereich erboxe ich mir den besten Platz für meinen Kamerakollegen und den Laptop. Dann erfahre ich, dass mir die Veranstalter kein Stromkabel für den Laptop geben können. Zwar gibt es einen Verteiler, an dem sich 50 Kamerateams den Ton ziehen, aber ein lumpiger Dreierstecker ist nicht machbar. Dann geht es auch schon los. 100 Zuschauer im Stream, 300, 500, 800, 1300. So viele hatten wir noch nie gleichzeitig on Air. Auch im Chat geht's heiß her.

Als Angie die Bühne betritt, raucht unser Stream ab. Auf einem separaten Laptop verfolge ich den Chat: “Was geht?“, „Idioten!“, „Penner!“. Damit bin ich gemeint.

Doch plötzlich steht das Bild wieder. Dafür beginnt es zu regnen. Bange betrachte ich die Akku-Anzeige, die vor zwei Minuten noch Strom für 20 Minuten angezeigt hatte. „Angie, schwätz’ schneller!“ Das Warnsignal des Akkus leuchtet. Ich kaue nervös auf meiner Unterlippe; erahne schon, wie mich der virtuelle Mob lyncht, wenn die Übertragung stoppt, weil der Akku leer ist. Minuten später kommt Angie zum Ende. Fünf Minuten Akku sind übrig.



Dana Hoffmann

Randalierende Tageins-Gänger in der Schützenallee, kreischende Kinder auf dem Brunnenplatz am ZO, grölende Taugenichtse am August - als inoffizielle fudder-Lärmbeauftragte musste ich mir in diesem Sommer viel Gejammer anhören.

Eine Wohltat waren da zwei Anwohnerinnen des Augustinerplatzes. Zwar waren auch sie genervt von Ruhestörungen und Glasscherben. Aber sie waren auch die einzigen, die sich tolerant zeigten: Die Stimmung sei insgesamt friedlich und schön. Nächstes Jahr wollen sich beide auch mal mit einer Flasche Wein auf Freiburgs Toleranzsäulenplatz hocken.



Anne-Kathrin Weber

Anfang Mai fragte mich ein Freund zu meinem fudder-Praktikum: „Schaffst du schon einen korrekt geschichteten Latte Macchiato?“ Ich entgegnete gut hörbar für alle S-Bahn-Sitznachbarn, dass ich die Kaffeemaschine in der Redaktion noch nicht bedient, dafür aber Leyla kennengelernt hätte, Freiburgs erste transsexuelle Prostituierte.

Zugegeben war ich ein wenig nervös, als ich zwei Tage zuvor auf einem Kissen mit Leopardenmuster saß, umgeben von Gleitgel, Kondomen und Massageinstrumentarium. Nicht so Leyla, die mir ohne Umschweife von ihrem Leben erzählte: Von Freiern und Figurproblemen, von Liebe im Privaten und Leidenschaft im Beruf, von Geldgier und vom Glücklichsein. Mein Praktikums-Highlight.



Nora Wagner

Für fudder machte ich den Versuch, einen Monat lang von Hartz IV zu leben. 31 Tage – 359 Euro. Viel Geld für den Durchschnittsstudenten. Für mich, die in der Regel fast doppelt so viel ausgibt, war das eine echte Herausforderung: Sparen beim Essen, kaum Party, kein Kino und Shoppen erst recht nicht. Der Spaßfaktor war entsprechend gering. Schließlich habe ich den Monat aber rumgekriegt und lag mit 350,28 Euro knapp unter dem Ausgabenlimit. Ich habe bei diesem Experiment gelernt, Geld in Zukunft etwas bewusster auszugeben und es dann noch viel mehr zu genießen.



Philip Hen

April 2009. Ich interviewe André Shepherd, der aus der US-Armee desertiert ist und in Deutschland Asyl beantragt hat, um nicht in den Irakkrieg zurückgehen zu müssen. Die Kriegsgründe haben sich als falsch herausgestellt, aber der Krieg geht trotzdem weiter. Die Iraker haben keine Wahl, aber Shepherd, ein junger Mann in meinem Alter, musste sich entscheiden: Zurück in den Krieg oder seine Heimat, seine Kameraden hinter sich lassen. Ein Einzelschicksal, nur ein unbedeutendes Rädchen in der Zeitgeschichte. Was ist richtig? Wie hätte ich mich entschieden? Ich weiß es nicht.



David Weigend

3. Juli, Oberbergen. 10.30 Uhr morgens, das Thermometer zeigt schon über 20 Grad. Interviewtermin mit SC-Vize Fritz Keller. Wir sitzen im schattigen Innenhof des „Rebstock“. Der Winzer trinkt Wasser und spricht über den Führungsstil beim SC Freiburg: „In der Übergangsphase von Finke zu Dutt haben wir sicherlich viele Fehler gemacht. Manchmal habe ich zu emotional gehandelt.“

Später, als das Aufnahmegerät ausgeschaltet ist und die erste Weinflasche entkorkt, erzählt Keller von seiner Jugend und seinem Schulaustausch nach England in den 70ern. Erste Festivalerfahrungen: The Who, freie Liebe und mittendrin ein Bursche aus dem Kaiserstuhl, der langsam kapiert, was da überall so harzig riecht. Auf der Rückfahrt glaube ich, Stockers wahrscheinlichen Nachfolger an einem guten Tag kennengelernt zu haben.



Lorenz Bockisch

Im Februar und März schrieb ich für das Forscher-Blog einen Beitrag über Donaueschinger Schüler, die über die positiven Auswirkungen von Computerspielen forschten. Eine Woche später sah ich dann zufällig im Nachtjournal der ARD einen Beitrag über genau dieses Forschungsprojekt – nur, dass dieselben Schüler dort etwas gestellt und deutlich gestylt über den Schulflur liefen. Bei der Jugend-forscht-Messe traf ich dann den Lehrer der Schüler. Er erzählte von den langwierigen Dreharbeiten mit mehreren Einstellungen. Und davon, dass der NDR über fudder auf das Thema kam.



Nightlife Guru

Herzblut, Leidenschaft, Hingabe und Einsatz sind die besten Zutaten für eine erfolgreiche Party. Die Veranstalter der Opening-PartyInvasion Kulturtage Haslacher Straße“ verwendeten davon reichlich und zeigten in einer liebevoll dekorierten alten Autowerkstatt, dass Feiern mit viel Do-it-yourself-Flair auch in Freiburg möglich ist. Bitte mehr davon!



Carolin Buchheim

Samstag, 5. September, 17 Uhr. Der zweite Chat unserer Live-Chat-Reihe mit den Freiburger Direktkandidaten für die Bundestagswahl steht an. Sascha Fiek von der FDP sitzt gut gelaunt und startklar an der Tastatur, da fällt in der fudder-Redaktion das Internet aus. Zehn Minuten lang versuchen Gina und ich, die Technik wieder zum Laufen zu kriegen. Erfolglos. Kurzerhand ziehen wir mit dem unerschütterten Sascha Fiek in ein Internet-Café in der Innenstadt und Chatten von dort.

Das klappt so gut, dass wir einen Tag später, als das Internet pünktlich zum Live-Chat mit Uta Spöri, der Kandidatin der Linken, ausfällt, zur großen Belustigung der Internetcafé-Betreiber, wieder auftauchen.



Clemens Geißler

13. Mai, 17.30 Uhr: das vorletzte Heimspiel des SC Freiburg in der Zweitliga-Saison 08/09 und das erste Heimspiel, bei dem der Aufstieg in die Erste Bundesliga feststeht. Der Kick: ein grottiges 0-0. Die Stimmung: super. Nach Abpfiff gibt es einen Wolkenbruch und Freibier. Und dann noch die beiden Betreuer der Gästemannschaft aus Fürth, die uns ihren Vereinswimpel schenken, nachdem sie diverses Zubehör in einen extra gemieteten Kleintransporter laden, weil im Mannschaftsbus kein Platz mehr sei. Schade, diese freundlichen Männer wird man wohl höchstens bei einem Pokalspiel wieder treffen.



Shirin Saber

Für fudder sollte ich an einem Sonntagmorgen den Service eines Frühstücksbringdienstes testen. Zusammen mit meinen WG-Mitbewohnern futterte ich mich durch Laugenstangen, Rosinenweckle, Croissants und Apfelteilchen. Anschließend setzte ich meinen Gammel-Sonntag fort, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen. Schon gar nicht zum Brötchen holen. So macht Arbeiten Spaß!



Alex Ochs

Getreu dem Motto "Tragen Sie ihn links oder rechts?" ging es im jos fritz um politisch aufgeladenes Pinkeln: Über dem linken Pissoir prangte DIE LINKE, in der Mitte die FDP, rechts die CDU. Doch schon nach kurzer Zeit hatte sich meine Recherchegrundlage komplett gewandelt. Hier muss Mann sich täglich neu entscheiden, wenn man mal muss.

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