Fall Maria L.

16. Verhandlungstag im Mordprozess gegen Hussein K. dauert eine Viertelstunde

Carolin Buchheim (aktualisiert um 9.45 Uhr)

Zum 16. Mal wurde am Donnerstag im Mordfall Maria L. vor dem Landgericht Freiburg verhandelt. Der letzte Prozesstag in diesem Jahr dauerte nur 15 Minuten.

Der 16. Prozesstag war ein sehr kurzer: 15 Minuten dauerte die Verhandlung. Notwendig war sie, da laut § 229 I StPO eine Hauptverhandlung nur bis zu drei Wochen unterbrochen werden darf.


Hussein K.s Verteidiger Sebastian Glathe schickte als Vertreter seinen Sozietätskollegen Klaus Eschenburg; Nebenklagevertreter Bernhard Kramer erschien zu diesem Kurztermin nicht.

Verlesen wurden zwei Gutachten

Richterin Kathrin Schenk verlas zwei Dokumente. Das erste war ein Gutachten eines LKA-Gutachters zu Schuhspuren. Der Gutachter hatte sechs Paar Schuhe untersucht, die die Polizei Freiburg bei Hussein K. sichergestellt und dem LKA überstellt hatte. Verglichen hat er die Schuhe mit möglichen Schuhspuren an der schwarzen Jeans, die Maria L. in der Tatnacht trug. Das Ergebnis: Es gab keine Übereinstimmungen zwischen den Sohlenmustern dieser sechs Paar Schuhe und den Spuren auf der Jeans von Maria L.

Das zweite Dokument, das Richterin Kathrin Schenk verlas, war das Ergebnis von Blut- und Urinuntersuchungen des Opfers Maria L. Das Ergebnis: Maria hatte in der Tatnacht wenig Alkohol getrunken: 0,2 Promille war der Mittelwert bei beiden Untersuchungen.

Immer noch kein Termin für die Aussage der griechischen Ermittler

Damit war der 16. Verhandlungstag beendet. Richterin Kathrin Schenk kündigte für den nächsten Verhandlungstag mehrere Zeugen an. Die griechischen Ermittler, die zu Hussein K.s Angriff auf eine Studentin auf Korfu 2013 aussagen sollen, sind noch nicht darunter. "Von den griechischen Ermittlungsbeamten sollte ich bis gestern Nachricht erhalten", sagte sie. "Diese ist leider bisher nicht eingegangen."

Damals hatte der Angeklagte in Korfu-Stadt die zu jenem Zeitpunkt 20 Jahre Studentin Spiridoula C. überfallen, zu Boden gebracht und über eine rund zehn Meter hohe Kaimauer geworfen. Die junge Frau hatte Glück und überlebte schwer verletzt. K. wurde für die Tat Anfang Februar 2014 zu zehn Jahren Haft wegen Mordversuchs verurteilt, aber kam bereits im Oktober 2015 frei.

Ein Urteil wird es wohl nicht vor März 2018 geben

Am 15. Verhandlungstag vor rund zwei Wochen war das Verlesen eines Protokolls einigermaßen spektakulär: Verlesen wurde da ein Protokoll eines Telefonats mit einem Mann, der sich als Vater des Angeklagten identifizierte. Hussein K. hatte zuvor ausgesagt, dass sein Vater bei Konflikten mit den Taliban in Afghanistan ums Leben gekommen sei.

Über Weihnachten und Neujahr wird am Landgericht nicht verhandelt. Nächster Verhandlungstermin ist der 8. Januar 2018. Ein Urteil im Prozess gegen Hussein K., der zu Beginn des Prozesses die Tötung der 19-jährigen Studentin Maria L. gestanden hatte, wird frühestens im Frühjahr erwartet.
Rückblick: Fünfzehnter Verhandlungstag

Der sehr kurze fünfzehnte Verhandlungstag endete mit einer Überraschung: das Gericht hat mit einem Mann im Iran telefoniert, der sich als Gholam K. und als Vater des Angeklagten identifizierte. Es gebe eine Geburtsurkunde des Angeklagten – und er nannte ein Geburtsdatum, das im iranischen Kalender jedoch keinen Sinn machte.

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