16 Tote bei Amoklauf an Realschule in Winnenden

Carolin Buchheim & dpa

Bei einem Amoklauf an einer Realschule in Winnenden bei Stuttgart sind heute mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, darunter der mutmaßliche Täter.



Ein 17 Jahre alter Amokläufer hat am Mittwochmorgen mindestens 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Nach Angaben der Polizei betrat der Täter um 9:30 Uhr die Albertville-Realschule und schoss während des Unterrichts um sich.


Nachdem der schwer bewaffnete Ex-Schüler in der Schule mindestens neun Schüler und drei Lehrer erschossen hatte, tötete er auf seiner Flucht laut Medienberichten drei weitere Menschen. Im 40 Kilometer entfernten Wendlingen kam er dann bei einer Schießerei mit der Polizei auf dem Gelände eines Supermarktes ums Leben.

Angeblich hatte er das Fluchtauto zuvor geraubt. Der Amokläufer stammt aus Leutenbach im Rems-Murr-Kreis in der Nähe von Winnenden. Rund 1000 Einsatzkräfte versuchten, den Mann zu finden sowie Schüler und Passanten in Sicherheit zu bringen.

Die Realschule, die von 580 Schülern besucht wird, wurde evakuiert, das Gebiet weiträumig abgesperrt. „Die ganze Stadt gleicht einer Festung“, berichtete ein Augenzeuge. „Es herrscht blankes Entsetzen.“ Auch auf dem angrenzenden Gelände einer psychiatrischen Klinik fielen Schüsse. „Ich habe sechs bis sieben Schüsse gehört. Ich darf meine Station nicht mehr verlassen“, sagte eine Sprecherin der Klinik.

Bundespräsident Horst Köhler sagte in einer ersten Reaktion: „Mit Entsetzen und Trauer haben meine Frau und ich von dem Amoklauf in Winnenden erfahren. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien und Freunden. Wir fühlen uns mit ihnen in diesen schweren Stunden tief verbunden."

Der mutmaßliche Täter hatte nach Polizeiangaben die Realschule mit einem Abschluss verlassen. Über sein Motiv konnte zunächst nur gerätselt werden. Ob er sich möglicherweise von dem Amoklauf im US- Bundesstaat Alabama, wo in der Nacht zu Mittwoch elf Menschen getötet wurden, beeinflussen ließ, war zunächst unklar.

Die Eltern des Winnener Amokläufers besitzen laut Polizei legal Waffen. Das Elternhaus wurde von der Polizei durchsucht. Die Beamten sperrten Schule und Teile der Innenstadt ab. Autofahrer wurden angehalten und Insassen überprüft. Die Polizei forderte Autofahrer auf, keine Anhalter mitzunehmen.

Die Bluttat ruft Erinnerungen an den Amoklauf von Erfurt wach: Am 26. April 2002 hatte ein ehemaliger Schüler des Gutenberg-Gymnasiums innerhalb weniger Minuten 16 Menschen und dann sich selbst erschossen. Die Stadt Erfurt und das Land boten Baden-Württemberg Hilfe bei der Betreuung von Schülern oder der Angehörigen von Opfern an. Es könnten kurzfristig speziell geschulte Notfallpsychologen entsandt werden, erklärte Kultusminister Bernward Müller (CDU).


Nach dem Amoklauf von Winnenden hat Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) von einer „grauenvollen und in keiner Form erklärbaren Tat“ gesprochen. Er drückte den betroffenen Eltern und Mitschülern am Mittwoch in Winnenden sein Mitgefühl aus: „Betroffen ist ganz Baden-Württemberg. Die Schule, einen Ort der Zukunft, der Bildung und Erziehung so zu stören und zu zerstören ist besonders gemein.“

Nach Angaben von Innenminister Heribert Rech (CDU) bot sich den beiden Interventionsteams der Polizei in Winnenden Augenblicke nach dem Notruf ein „grauenvolles Bild“ in der Schule, wo sie neun Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren und drei Lehrerinnen, darunter eine junge Referendarin, tot auffanden.

Auf seiner Flucht sei der Täter vor dem Postverteilzentrum in dem 40 Kilometer entfernten Wendlingen gestellt worden. Bei einem Schusswechsel seien zwei Passanten getötet und zwei Beamten schwer verletzt worden. Der Täter sei von den Beamten getötet worden. Polizeipräsident Erwin Hetger sagte aber, es habe sich nicht um einen finalen Rettungsschuss gehandelt. Laut Polizei in Wendlingen hat der 17-Jährige das Feuer eröffnet.

Kultusminister Helmut Rau (CDU) sagte, dies sei „die größte Katastrophe, die einer Schule passieren kann. Die Seele der Schule ist tief verwundet.“ Die Schulleiterin habe den Schüler, der im vergangenen Jahr die Realschule mit einem Abschluss verlassen und eine Ausbildung begonnen habe, als völlig unauffällig beschrieben. „In seiner Schulzeit ist er niemals auffällig gewesen.“

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