Ergebnis Kommunalwahl Freiburg

16 Listen machen den Freiburger Rat bunt wie nie zuvor

Joachim Röderer

Der Freiburger Rat wird jünger und weiblicher: Die Grünen sind die Gewinner, SPD und CDU kassieren Verluste. Vier Listen ziehen erstmals ein – und 23 neue Räte. Auch die AfD holt zwei Sitze.

Die Wählerinnen und Wähler haben entschieden: Der neue Gemeinderat wird grüner, deutlich jünger und weiblicher. Als Wahlsieger können die Grünen jubeln – sie bekommen zwei Mandate hinzu und besetzen nun 13 von 48 Sitzen. Abgestürzt ist die CDU, die drei ihrer neun Sitze einbüßte und sogar die Sozialdemokraten vorbeiziehen lassen musste. Die SPD fuhr wie die CDU ihr historisch schlechtestes Freiburger Ergebnis ein und verlor zwei von acht Mandaten. Die AfD, die erstmals bei einer Ratswahl in Freiburg antrat, stellt zwei Stadträte.

Der Liveticker von der Auszählung zum Nachlesen: Kommunalwahl in Freiburg 2019

16 der 18 angetretenen Parteien und Gruppierungen werden im neuen Gemeinderat vertreten sein. 23 neue Stadträtinnen und Stadträte schaffen den Einzug ins Rathaus. Mit 23 Stadträtinnen hat sich auch der Frauenanteil im Gremium erhöht. Die Wahlbeteiligung schnellt von 51,4 Prozent im Jahr 2014 auf jetzt 62,8 Prozent nach oben. "Ein sensationelles Ergebnis", meint Oberbürgermeister Martin Horn, als er am Montagabend kurz nach 18 Uhr die Ergebnisse des Wählervotums präsentiert. Die einstündige Verspätung resultiert aus der hohen Wahlbeteiligung. Die 800 Wahlhelferinnen und -helfer in der Bushalle der Verkehrsbetriebe mussten einfach deutlich mehr Wahlzettel auswerten als bei den vergangenen Gemeinderatswahlen.

"Ich denke Fridays for Future hat uns sehr geholfen." Maria Viethen, Grüne
Die Grünen feiern genau ein Jahr nach der verlorenen OB-Wahl einen in dieser Höhe nicht erwarteten Erfolg. Sie sind nun stärker als SPD und CDU zusammen. Die Ökopartei legt gegenüber 2014 um 2,2 Prozentpunkte zu und kommt nun auf 26,5 Prozent. Das reicht für 13 Sitze. Maria Viethen holt Platz eins und zieht damit zum vierten Mal in Folge als Stimmenkönigin in den Gemeinderat ein. Sie freue sich sehr über das Ergebnis, weil die Grünen mit einer jungen Liste angetreten seien, so Viethen, die eigentlich mit Sitzverlusten rechnete: "Ich denke Fridays for Future hat uns sehr geholfen", analysiert sie.

Wenig zu ernten gab es für die CDU, die gegenüber 2014 rund 6,5 Prozentpunkte verliert und bei nur noch 11,8 Prozent landet. Auf dem Tableau finden sich einige Tiefschläge für die Christdemokraten. Das beste CDU-Ergebnis holte Ratsneuling und Alt-Polizeipräsident Bernhard Rotzinger, gefolgt vor der Fraktionsvorsitzenden Carolin Jenkner. Sie kommentiert das Abschneiden ihrer Partei: "Nach gestern habe ich das nicht anders erwartet. Man merkt, dass die Themen Sicherheit und Finanzen die Leute nicht so bewegt. Man merkt, dass die CDU auf Landes- und Bundesebene keine gute Antwort auf den Klimawandel hat."

"Wir können noch so viele tolle Sachen in Freiburg machen, aber der Bundestrend zieht uns runter." Julia Söhne, SPD
Die SPD schlägt die CDU beim Kampf um Platz zwei, allerdings auf niedrigem Stimmenniveau. Auch die SPD hat drei Prozentpunkte und zwei Sitze verloren, hatte nach dem Europawahldesaster aber fast noch Schlimmeres befürchten müssen. Julia Söhne holte das beste SPD-Stimmenergebnis. Man werde mit der Partei auf Landes und Bundesebene ein Wörtchen reden müssen, meint sie: "Wir können noch so viele tolle Sachen in Freiburg machen, aber der Bundestrend zieht uns runter. Das frustriert schon."

Monika Stein pusht die Grüne Alternative nach vorne

Zu den großen Gewinnern auch die Grüne Alternative Freiburg, die sich mit ihren 6,5 Prozent von einem auf drei Mandate vergrößert. Auch ein Verdienst von Ex-OB-Kandidatin Monika Stein, die das drittbeste Ergebnis aller Kandidierenden einfährt: "Ich freue mich total über den großen Stimmenzuwachs", sagt sie.

Die Linke Liste/Solidarische Stadt büßte einen ihr bislang vier Sitze ein. "Freiburg Lebenswert" verliert unerwartet einen von zwei Sitzen und weil der Partner "Für Freiburg" ganz aus dem Gemeinderat fällt, halbiert sich die Fraktion. Die Kulturliste verliert einen ihrer zwei Sitze. Bei Freien Wählern (3 Mandate), FDP (2), Junges Freiburg (2), Unabhängige Frauen (1), Die Partei (1) ändert sich nichts. Die Neulinge Urbanes Freiburg und die Bürger für Freiburg erreichen jeweils einen Sitz, haben aber vermutlich mit mehr gerechnet. Die Liste Inklusion und Teilhabe stellt ebenfalls einen Stadtrat. Die Nicht-Liste schafft dies dagegen nicht. Die AfD holte gute Resultate vor allem in Landwasser und Weingarten. Die 3,6 Prozent insgesamt reichen für zwei Ratssitze.

Video: So reagieren die Freiburger Stadträte Simms und Waldenspuhl auf ihre Abwahl



"Das Ergebnis ist stark beflügelt von Fridays for Future und der Klimadebatte", kommentiert Oberbürgermeister Martin Horn in der VAG-Kantine das Ergebnis. Er sieht darin ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, eine Stärkung der grünen und auch der sozialen Anliegen. Der OB fürchtet nicht, dass das Regieren in einem weiter aufgesplitteten Rat schwieriger wird. Er habe in seinem ersten Jahr ohne Hausmacht keine Abstimmung verloren:"Wir haben alles konsensual im Sinne Freiburgs gewuppt."

Er wolle, kündigt Horn an, nun mit allen Listen reden, auch mit der AfD. Der OB hatte allerdings jüngst an einem Wahlkampfstand eine unschöne Begegnung mit AfD-Neustadtrat Dubravko Mandic: "Ich erwarte, dass so ein Ton nicht in den Freiburger Gemeinderat einzieht", so Horn.

Video: Freiburgs OB Martin Horn befürchtet wegen AfD raueren Umgang im Rat


Ein Blick in die Stadtteile

Für Extreme ist Freiburgs Modellstadtteil Vauban immer gut. Diesmal gibt’s ein weiteres: Hier rangiert die CDU mit ihrem vermutlichen Allzeit-Tief von 2,8 Prozent noch hinter der Kulturliste (2,9 Prozent). Die Grünen haben in ihrer Hochburg rund um die Vaubanallee einen mehr als zehnmal so hohen Zuspruch (32,6 Prozent). Die Bestwerte der Noch-GroKo-Parteien gibt’s in Tiengen (18,5 Prozent für die CDU) und Mooswald-West (15,0 Prozent für die SPD). Letzteres ist auch der Maximalwert der Linken Liste (wieder in Vauban). Respektable fünfmal schaffen die Freie Wähler es in Stadtbezirken über die 10-Prozent-Marke, am deutlichsten im Tunibergort Waltershofen (19,8 Prozent), die Grüne Alternative Freiburg kommt viermal knapp drüber, unter anderem in Alt-Stühlinger, die AfD zweimal: in Landwasser (14,3) und Weingarten (12,2 Prozent). Das wachstumskritische Freiburg Lebenswert ist nur einmal zweistellig – in Sichtweite der Stadionbaustelle (14,6 Prozent in Mooswald-West). Junges Freiburg ist mit 9,0 Prozent in Rieselfeld recht nah dran, die FDP in Opfingen mit 8,9 Prozent. Komplett im Promillebereich bleibt die Gruppierung "Nicht", und zwar in allen 39 Stadtbezirken. Die anderen Listen haben Quartiersbestwerte zwischen 2,6 und 6,9 Prozent.

Video: Wahlausgang frustriert Wolf-Dieter Winkler von Freiburg Lebenswert



Wer zieht in den neuen Freiburger Gemeinderat ein? Das sind die 48 neuen Stadträtinnen – und räte


Bei den Grünen gewählt sind:

  • Maria Viethen
  • Sophie Schwer
  • Nadyne Saint-Cast
  • Anke Wiedemann
  • Karim Saleh
  • Annabelle Gräfin von Kalckreuth
  • Pia Maria Federer
  • Jan Christian Otto
  • Helmut Thoma
  • Lars Petersen
  • Maria Hehn
  • Henriette Rübsam
  • Vanessa Carboni

Bei der CDU gewählt sind:

  • Bernhard Rotzinger
  • Carolin Jenkner
  • Klaus Schüle
  • Bernhard Schätzle
  • Berthold Bock
  • Martin Kotterer

Bei der SPD gewählt sind:

  • Julia Söhne
  • Julien Bender
  • Walter Krögner
  • Renate Buchen
  • Karin Seebacher
  • Stefan Schillinger

Bei Linke Liste – Solidarische Stadt (LiSST) gewählt sind:

  • Michael Moos
  • Angelina Flaig
  • Gregor Mohlberg

Bei Grüne Alternative Freiburg (GAF) gewählt sind:

  • Monika Stein
  • Lina Wiemer-Cialowicz
  • Felix Beuter

Bei Freie Wähler sind gewählt:

  • Kai Veser
  • Johannes Gröger
  • Claudia Feierling

Bei der FDP gewählt sind:

  • Sascha Fiek
  • Christoph Glück

Bei Freiburg Lebenswert (FL) gewählt sind:

  • Gerlinde Schrempp
  • Wolf-Dieter Winkler

Bei Alternative für Deutschland (AfD) gewählt sind:

  • Detlef Huber
  • Dubravko Mandic

Bei Junges Freiburg (JF) gewählt sind:

  • Sergio Schmidt
  • Simon Sumbert

Bei Die Partei gewählt ist:

  • Sophie Kessl

Bei Bürger für Freiburg gewählt ist:

  • Franco Orlando

Bei Liste Teilhabe und Inklusion (LTI) gewählt ist:

  • Ramon Kathrein

Bei Urbanes Freiburg gewählt ist:

  • Maria Del Mar Mena Aragon

Bei Unabhängige Frauen Freiburg (UFF) gewählt ist:

  • Irene Vogel

Bei der Kulturliste Freiburg (Kult) gewählt ist:

  • Atai Keller


Gemeinderatswahl 2019: Wahlergebnis in Freiburg



Mehr zum Thema: