13.000 Zusagen für eine Hausparty - was der Veranstalter von Project Freiburg dazu sagt

Daniel Laufer

Mindestens zehn deiner Freunde dürften auf Facebook bereits zugesagt gehaben. Im fudder-Interview lüftet Sylvester Göttlicher, Sprecher des Veranstalters DreiX-Events aus Furtwangen, das Geheimnis um die Megaparty:



Vor einer Woche habt ihr gegenüber fudder noch behauptet, DreiX-Events habe gar nichts mit "Project Freiburg" zu tun – warum?

Sylvester Göttlicher: Wir sind da eben ein bisschen anders als andere Event-Agenturen und versuchen nicht nur, das Event auf die Beine zu stellen. Wir legen viel Wert auf die Story drum herum – die Customer Journey. Bei unseren Veranstaltungen haben wir gemerkt, dass die Leute auf Sachen abfahren, die in gewisser Weise mysteriös sind. Es macht Spaß, wenn man einen Hype generiert und die Leute rätseln, um was es sich dabei denn handeln könnte.

Wenn du sie dann während der ganzen Planung immer wieder mit Informationen fütterst, bringt das eine gewisse Befriedigung mit sich und die Leute feiern das. Wir schreiben auf unserer Facebook-Seite, dass wir ein bisschen "mysteriös" sein wollen – was natürlich nicht heißt, dass wir Kinder-Capes tragen.

Ich kenne keine Event-Agentur, die wie wir versucht, ihre Marke in den Mittelpunkt zu rücken. Wir sind ein Team, das immer ganz viele komische Sachen probiert. Wir überlegen: Was ist konventionell und wie könnten wir es anders machen? Wir wollen, dass die Leute irgendwann wissen: Wenn da "XXX" draufsteht, wird das eine ziemlich geile Feier.

Was ist der aktuelle Stand bei "Project Freiburg" und wo soll es stattfinden?

Natürlich im Raum Freiburg – wir starten das nicht von Furtwangen aus. Für unsere Party kann man sich jetzt vorregistrieren. Außerdem haben wir die Auswahl zwischen mehreren Locations, bei denen wir recht gute Kontakte nach Freiburg haben.

Rund 13.000 Menschen haben auf Facebook innerhalb weniger Tage zugesagt – was glaubst du: Woran liegt das?

Jeder kennt den Film "Project X" und gerade in unserer Altersgruppe findet es jeder geil, mal zu so einer Feier zu gehen und total auszurasten. Vielleicht liegt es auch daran, dass man noch nichts über "Project Freiburg" weiß. Wenn eine Veranstaltung unheimlich schnell wächst, drückt man vielleicht selbst eher auf "zusagen" – auch wenn man eigentlich kein Interesse hat. Man will ja nichts verpassen. Das nennt man dann Hype.

Für wie viele Leute plant ihr?

Bei unseren bisherigen Veranstaltungen hatten wir jedes Mal einen Zuwachs von 300 Prozent, auf dem letzten Waldtraum-Festival waren es 1.500 Besucher. Zu "Project Freiburg" kann ich allerdings noch nichts sagen: Wir planen natürlich nicht für die 13.000 Leute, die auf Facebook zugesagt haben – das wäre utopisch. Im Endeffekt sind 20 bis 30 Prozent der Zusagen realistisch. Allerdings ist es auch noch eine lange Zeit bis zum 30. Mai.



Die Party soll in einem "Haus" stattfinden – mit diesen Besucherzahlen könnte das ja eher schwierig werden.

Bei den Auflagen, gerade was Brandschutz und Fluchtwege angeht, spricht man natürlich nicht von einem Wohnhaus. Wir sprechen aber eben auch von keiner Arena – wie bei "Project Deutschland". Wir geben uns Mühe, dass die Location hausähnlich sein wird und auch die Dekoration soll in diese Richtung gehen.

Im Oktober habt ihr eure Unternehmergesellschaft DreiX gegründet – mit einem Kapital von 700 Euro. Geht ihr bei einer Veranstaltung dieser Größe nicht ein Risiko ein?

Natürlich, aber wir sind ja auch nicht auf den Kopf gefallen. Wir haben schon zwei Waldtraum-Festivals organisiert, die von der Umsetzung nicht komplexer hätten sein können. Was die Infrastruktur und die rechtlichen Geschichten mit der Stadt angehen, hatten wir da wirklich zu kämpfen. Auf dem Gelände gab es weder Strom noch Toiletten oder irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen, obendrein mussten wir Auflagen erfüllen wie bei einem Festival mit 20.000 Besuchern. Dafür haben wir natürlich auch Expertenhilfe von einem Veranstaltungsmeister erhalten.

Durch diese beiden Festivals haben wir nun wichtige Kontakte geknüpft. Wir können auf Erfahrungswerte zurückgreifen und das ganze irgendwie einschätzen. Außerdem haben wir viele gute Leute, die mit uns zusammenarbeiten.

"Project Freiburg" halten wir für absolut plausibel und sind wirklich daran, das durchzusetzen – wir wollen da etwas Geiles auf die Beine stellen.

Welche Pläne habt ihr für den Verkauf der Tickets?

Nach derzeitigem Stand wird es bald einen Kartenvorverkauf geben. Da gab es in Deutschland schon einige Beispiele, die auf diese Weise relativ schnell ausverkauft waren. Du musst immer die Möglichkeit haben, zu sagen: Ok, es kommen genug Leute – gleichzeitig aber auch als Rechtfertigung vor der Stadt, um ihr sagen zu können: Es kommen nicht zu viele!

DreiX-Events hat seinen Sitz in einem Studierendenwohnheim in Furtwangen. Wie seid ihr entstanden?

Wir saßen ganz klassisch im Schwimmbad und überlegten uns, dass wir total Bock hätten am Abend zu feiern. Also telefonierten wir rum und sagten: Lasst uns irgendwo rein, ein bisschen Musik hören und ein bisschen was trinken. Das ging in Furtwangen aber nicht. Also kauften wir uns einen Generator für 250 Euro. Damit stellten wir uns in den Wald und strahlten die Bäume mit Lichtern an. Ungefähr 80 bis 120 Leute standen dann unter dem Sternenhimmel und fanden das total cool. Um vier kam die Polizei – alles war zu Ende und es gab auch ein bisschen Ärger.

Also dachten wir uns: Wenn wir das noch mal machen wollen – aber mit 500 Leuten – dann so, dass es die Polizei nicht mitbekommt. Also schrieben wir in eine Facebook-Veranstaltung: REWE-Parkplatz, 22 Uhr, kommt vorbei. Überall sonst stand nur XXX. In Furtwangen hat das ein unheimliches Lauffeuer erzeugt. Als ich auf dem REWE-Parkplatz ankam, war der schon komplett voll – und daneben standen zwei Kastenwagen der Polizei. Niemand wusste, worum es eigentlich ging und was die ganzen Leute da machten!

Grüppchenweise schickten wir die Leute dann zu der Lichtung. Keine Ahnung, wie es geklappt hat, aber: Als die Leute auf dem Waldweg waren, fuhr die Polizei ab und kam nie wieder. Wir hatten wirklich eine grandiose Feier. So hat es angefangen – deshalb heißen wir auch DreiX.

Film-Trailer zu "Project X" (2012):



Mehr dazu:

[Foto: Screenshot Facebook / Screenshot "Project X"-Trailer]