11 Fakten aus der legendären Weihnachtsvorlesung

Christoph Kölle

Höher, schneller, weiter: Bei seiner elften Physik-Weihnachtsvorlesung begibt sich Professor Fischer in schwindelerregende Höhe oder rast mit einem selbstgebauten Scooter durch den Vorlesungssaal. Fudder hat elf Fakten daraus zusammengetragen.

Fakt 1: Physik kann allen nahegebracht werden

Dass Physik-Vorlesungen für Jedermann interessant sein können, beweist Physikprofessor Horst Fischer seit elf Jahren jedes Jahr aufs Neue. Von den ganz Kleinen bis zu den reiferen Semestern sind alle Altersgruppen vertreten und der Vorlesungssaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

Fakt 2: Ohne Helmut Wentsch gäbe es die Weihnachtsvorlesung nicht

Helmut Wentsch ist am Physikalischen Institut für die Vorlesungstechnik verantwortlich. Bei den Experimenten assistiert er Professor Fischer tatkräftig und mitunter auch etwas gespielt widerwillig. Die beiden wollen mit ihrer Vorlesung eben auch unterhalten.

Fakt 3: Es ist möglich, dass es in einer Vorlesung 25 Sekunden lang mucksmäuschenstill ist…

…dann nämlich, wenn Professor Fischer das Publikum bittet, das Zentrum sich gegenläufig drehender schwarzweißer Spiralen so lange zu betrachten. Denn genau so lange kann man ein Objekt konzentriert fixieren. Danach lässt die Konzentration bereits nach. In dieser Zeit gewöhnt sich das menschliche Auge aber an das Gesehene. Wendet man jetzt den Blick ab und fixiert ein anderes Objekt, wird dieses gegenläufig verzerrt. Dieser Effekt entsteht im Gehirn. Auch wenn es sich um einen Klassiker der optischen Täuschungen handelt, wird der Wow-Effekt im Publikum durch verblüfftes Getuschel untermalt.

Fakt 4: Man braucht kein Feuerzeug, um eine Kerze anzuzünden

Um für die richtige Weihnachtsstimmung zu sorgen, möchte Professor Fischer die Kerzen am Adventskranz anzünden. Leider hat er kein Feuerzeug oder Streichholz zur Hand. Das braucht er aber auch gar nicht. Eine handelsübliche Mikrowelle oder ein Laser reichen aus. Einfach die Kerze ein paar Sekunden in die Mikrowelle stellen – dann entzündet sich der Docht. Wer einen Laser zur Hand hat, kann auch den auf den Docht richten. Ob man das zu Hause nachmachen sollte, lässt Professor Fischer offen.



Fakt 5: Nicht nur Astro-Alex trotzt der Schwerkraft

Das schafft auch eine lange weiche Feder (Slinky genannt) und das sogar auf der Erde. Für seinen Versuchsaufbau erklimmt Professor Fischer eine schwindelerregende Höhe und lässt die Feder bis 1,5 Meter über dem Boden herab. Sobald sie nicht mehr schwingt, lässt er los. Was passiert dann mit dem unteren Ende? Fällt es zu Boden, wird es nach oben gezogen oder bleibt es stehen? Was das menschliche Auge kaum sieht, zeigt ein Video in Slow-Motion. Das untere Ende der Feder bleibt in der Luft stehen bis das obere Ende dieses erreicht hat. Erst dann fällt das untere Ende zu Boden und ergibt sich der Gravitationskraft.



Fakt 6: "In der Hochzeitssuppe schwimmt das Beste unten"

Bei seinem Experiment "Die Badewanne des Weihnachtsmanns" lässt Horst Fischer ein Plastikschiffchen in einem mit Gas gefüllten Plexiglasbecken "schwimmen". Wie bei der Hochzeitssuppe schwimmt auch im Plexiglasbecken das Beste unten. Und so löffelt Fischer das unsichtbare Gas vom Beckenboden in das Plastikschiffchen. Effekt? Es sinkt! Die Dichte des Schiffchens darf nicht höher als die Dichte des "Gewässers".

Fakt 7: Für die Weihnachtsvorlesung werden keine Mühen gescheut

Eigens für die Weihnachtsvorlesung wurde ein Fahrzeug, eine Art Seifenkistenwagen, konstruiert. Mit seinem Gefährt verwandelt der Professor den Vorlesungssaal und die Flure in eine Rennbahn. Die Fahrt mit dem Geschoss sorgt für ganz schön viel Action und Lärm. Das Besondere: Die Hightech-Seifenkiste ist gasbetrieben.

Fakt 8: Bei Gewitter ist man auch im Flugzeug sicher

Der Versuch mit dem Teslatransformator ist schon ein Klassiker, aber er zeigt: Der faradaysche Käfig, sozusagen das Grundgerüst eines Flugzeugs oder Autos, schützt vor elektrischen Entladungen. Denn genauso wie ein Auto stellt auch ein Flugzeug einen faradayschen Käfig dar. Keine Sorge also beim nächsten Flug durch ein Gewitter.

Fakt 9: Mit Plexiglas kann man sich vor Wärmebildkameras verstecken

Nachdem Professor Fischer sich einen Plexiglashelm über den Kopf stülpt, wird sein Kopf für die auf ihn gerichtete Wärmebildkamera unsichtbar. Der anschließende Versuch mit der Aluminiumplatte zeigt: Aluminium reflektiert Wärme. Deshalb wird Aluminiumfolie auch so gerne verwendet, um Essen warm zu halten.



Fakt 10: Die Weihnachtsvorlesung wurde ins Leben gerufen, um Geld zu sammeln

Der englische Experimentalphysiker Michael Faraday hatte die Vorlesung 1827 ins Leben gerufen, um der Öffentlichkeit physikalische Experimente vorzuführen – und um Geld für die Forschung zu sammeln. Heutzutage geht es der Forschung wohl besser – für die Weihnachtsvorlesung wird kein Eintrittsgeld verlangt.

Fakt 11: Die Weihnachtsvorlesung ist so vollgepackt mit spannenden Experimenten, dass für die ausführliche Erklärung der zugrundeliegenden physikalischen Prinzipien kaum Zeit bleibt

Die vielen Kinder im Publikum sind dafür aber dankbar und schauen gebannt die ganze Zeit den Experimenten zu und staunen. Dramaturgisch durchdacht werden die Kerzen des Adventskranzes mit einer Rauchkanone gelöscht. So endet die erste von drei Physik-Weihnachtsvorlesungen an diesem Donnerstagabend. Auch wenn nicht alles verständlich wurde, so war die Physik-Weihnachtsvorlesung ein voller Erfolg und man merkt den Beteiligten den Spaß an, den sie daran haben.

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