Erinnerung

1000 Zeichen Liebe: Notre-Dame de Paris

Anika Maldacker

Vor den Augen der ganzen Welt brannte am Montag ein großer Teil der Notre-Dame in Paris ab. fudder-Redakteurin Anika Maldacker besuchte den Dachstuhl und nun eingestürzten Spitzturm der Kathedrale vor drei Jahren. Eine Erinnerung.

Es ist ein heißer Montag im Juli 2015 in Paris. Wir stehen am Haupteingang der Notre-Dame. Neben uns trotten die Touristen in die Kathedrale hinein. Wir sind ein Kameramann, ein Tontechniker, ein Journalist und ich, die Praktikantin. Ein Architekt wird uns einen Ort zeigen, den nur wenige Menschen kennen.


Wir betreten die Kathedrale durch einen Seiteneingang, nehmen eine enge Holztür und besteigen mit Kamera und Mikrofon eine schmale Wendeltreppe. Wir erreichen den hölzernen Dachstuhl. Das Licht dringt nur durch die kleinen Fensterrosen hinein. Wir riechen den Staub mehrerer Jahrhunderte. Unser Ziel: Der Spitzturm, auch Dachreiter genannt. Der Turm, der am Montag beim Brand der Notre-Dame eingestürzt ist. Für die Öffentlichkeit ist er nicht zugänglich.

Vom Dachstuhl quetschen wir uns über eine schmale Holztreppe hinauf. Dann stehen wir oben, sind sprachlos. Die Seine, der Square Jean XXIII, die grünen Kupferfiguren, die die zwölf Apostel verkörpern: Sie beschauen die Stadt, jeder mit seinem Erkennungszeichen. Nur einer schaut voller Leid zum Spitzturm. Diese Figuren wurden wenige Tage vor dem Brand im Zuge der Renovierung entfernt. Wenn sie wieder zurückkommen, wird vieles anders sein.

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