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1000 Schriftzeichen und kein Ende in Sicht? Sinologie im Studiengangcheck

Jorinde Wiese

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psychologie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an den Klischees dran ist. Heute: Sinologie.

Worum geht’s?

Sinologie ist ein historisch-sozialwissenschaftlich geprägtes Studienfach, welches neben dem Erlernen der chinesischen Sprache einen tiefen Einblick in die Geschichte, Politik und Gesellschaft Chinas ermöglicht. In Freiburg wird eine gute Mischung aus der neueren chinesischen Geschichte und dem chinesischen Altertum angeboten. Konkret heißt dies, dass man sich nicht nur mit den Kaiserreichen der letzten 2000 Jahre beschäftigt, sondern vor allem mit den rasanten Entwicklungen der neusten Zeit.

Chinesisch zu lernen ist fester Bestandteil des Studiums. Wer neu in die Sprache einsteigen möchte kann das tun, denn das Studium setzt keine sprachlichen Vorkenntnisse voraus. Motivierte Chinesischlehrer und kleine Sprachgruppen sind ein großer Vorteil an der Uni Freiburg.

Gender-Check

Insgesamt 127 Studierende der Sinologie sind im Wintersemester 17/18 eingeschrieben. (Haupt- und Nebenfach zusammengezählt). Die Anzahl männlicher und weiblicher Studierenden ist dabei ziemlich ausgeglichen.

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist:

"Wer Sinologie studiert will möglichst viel Geld verdienen und mit chinesischen Firmen zusammenarbeiten". Das ist völliger Unsinn. Viel Geld verdienen steht zumindest bei den meisten sicher nicht an erster Stelle. Der Traum vieler Sinologen ist, glaube ich, etwas Sinnvolles mit dem zu erreichen, was sie über China gelernt haben. Sei es in der Forschung, im Journalismus, im Tourismus, in der Übersetzungsbranche oder im auswärtigen Dienst.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist:

"Dann kannst du also perfekt Chinesisch?" Ja, im Prinzip schon, zumindest lernen wir alle Chinesisch und das sogar ziemlich intensiv, sonst kann man bei dieser Sprache auch einpacken. "Können" und "perfekt" ist bei der chinesischen Sprache aber schwer zu sagen, denn wer von echtem Können sprechen möchte, der muss schon verdammt gut sein! Bei Tausenden von Schriftzeichen kann es viele Jahre dauern, bis man das höchste Chinesisch Niveau (HSK 6) erreicht hat, und selbst dann ist immer noch Luft nach oben.

Der beliebteste Spruch

"Sinologie! Ich kenne da jemanden, der auch schon einmal in China war." Ob im Fernbus, oder im Zug: Wenn man erzählt, dass man Sinologie studiert, packen die meisten Leute oft alles aus, was sie über China wissen. Oder erzählen ungefragt, wer aus ihrem Bekanntenkreis alles schon dort war. Besonders amüsant ist das, wenn man selbst erst am Anfang des Studiums steht und trotzdem als sogenannter Chinakenner Rede und Antwort zu aktuellen politischen Themen stehen soll.

Warum man Sinologie studieren sollte

China wird in den kommenden Jahren in der Weltpolitik nicht an Bedeutung verlieren und wirtschaftlich eine immer größere Rolle spielen. Meiner Meinung nach ist China ein wahnsinnig spannendes Land, zu dem man erst einen Zugang finden kann, wenn man seine Geschichte kennt. Während des Studiums lernt man kritisch mit allen Arten von Vorurteilen über China umzugehen und neue Perspektiven zu entwickeln.

China ist nicht schwarz und weiß, China ist ein ganzes Farbspektrum. Und es lohnt sich, das alles mit eigenen Augen zu sehen! Am Anfang des Studiums war ich sehr skeptisch, ob ich jemals in China leben könnte. Nach einem Auslandsjahr in Shanghai empfehle ich allen, die die Möglichkeit dazu haben, während des Studiums nach China zu reisen und dort ihre ganz eigenen Erfahrungen zu machen. Die Faszination für die chinesische Sprache kam bei mir übrigens erst während des Lernprozesses. Noch einmal ganz neu Lesen und Schreiben lernen? Ein tolles Gefühl! Es fühlt sich wie eine Geheimsprache an.

Das nervt

Chinesisch ist eine faszinierende Sprache, das steht außer Frage. Aber ganz ehrlich: Es ist ein mühsames Unterfangen, chinesische Texte zu lesen. Das Vokabular der Schriftsprache unterscheidet sich sehr von der gesprochenen Alltagssprache und auch die Grammatik ist anders. Zum Glück gibt es heutzutage hilfreiche Wörterbuch- Apps, welche die Zeichen sofort erkennen. Früher musste man Striche zählen und Wörterbücher wälzen. Trotz des technischen Fortschritts stößt man bei der Lektüre von Originalquellen, welche in Hauptseminaren und der Bachelorarbeit Pflicht sind, oft an die Grenze seines sprachlichen Könnens.

Wo Sinologie Studierende anzutreffen sind

Vor allem in der Sinologischen Bibliothek im KG III, ansonsten verstreut auf dem Campus und ab und zu auch für ein oder zwei Semester in China.

Work-Life-Balance

Wer mithalten möchte im Chinesischunterricht, der muss vor allem in den ersten Semestern ziemlich Gas geben und in seiner Freizeit Schriftzeichen schreiben üben, bis die Striche vor dem Auge verschwimmen. Daran führt kein Weg vorbei und es ist ein nicht enden wollender Lernprozess. Dafür freut man sich umso mehr, wenn die Zeichen irgendwann fest im Kopf verankert sind und man sie flüssig schreiben kann, als wäre es das Leichteste der Welt. Chinesisch? Mit Links, und mit Stäbchen natürlich.



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