100 Tage neue UB Freiburg: Studierende fordern mehr Plätze

Frank Zimmermann & Marius Buhl

"Teilweise kommen Studenten morgens um 7, legen sich Bücher auf einen Tisch und gehen dann nochmal heim: frühstücken!" Das sagt eine Freiburger Jurastudentin zum Platzmangel in der neuen UB. Wie schlimm ist es wirklich? Wir haben uns umgehört:



Rund 20 Nutzer täglich hatten in den ersten Wochen nach der Eröffnung am 21. Juli online gelobt und getadelt, inzwischen sind es zehn am Tag. Im Universitätsbauamt ist man "sehr zufrieden", gravierende Probleme gebe es nicht, sagt Leiter Karl-Heinz Bühler. Ein Beispiel: Im heißen Sommer sei es drinnen nie zu warm gewesen. "Im Gegenteil: Manchen war es sogar zu kühl." Die Temperatur liege stets bei 21 oder 22 Grad, nie höher: "Wir wollen das Haus ja auch energetisch sparsam betreiben." Da die Messtechnik noch nicht einwandfrei funktioniert, kann das Unibauamt noch keine Angaben zu Energieverbrauch und -einsparungen (laut Prognose 60 bis 70 Prozent) machen.


In der alten UB gab es 1200 Arbeitsplätze, die 1700 im Neubau werden von vielen Studenten als nicht ausreichend empfunden. Nicht nur von den Juristen, deren Bibliothek samt Arbeitsplätzen in den dritten Stock der neuen UB gezogen ist. Die Fachschaft Jura hat unter den Studierenden eine Umfrage zum neuen "Juridicum" lanciert, die jedoch noch nicht ausgewertet ist. Deshalb will sie sich zurzeit noch nicht äußern.

Hätte die Unibibliothek größer gebaut werden müssen?

Eine Jurastudentin bestätigt aber: Zu Hausarbeitszeiten seien die Leute am Boden gesessen, schon morgens um halb acht sei es voll gewesen. Jurastudenten seien morgens um sieben in Jogginghosen gekommen, um einen Platz zu belegen, und dann zum Frühstück nochmal heimgegangen. Eine andere Studentin findet die neue UB für die Juristen "platzmäßig definitiv eine Verschlechterung, aber in allem anderen eine krasse Verbesserung".

Weitere Kritikpunkte: zu wenig Steckdosen, unverstellbare Leselampen, automatisch wechselndes und damit irritierendes Licht. Und an den Arbeitsplätzen nahe des offenen Treppenhauses sei es zu laut. Inzwischen, so Unisprecher Rudolf-Werner Dreier, seien aber 100 zusätzliche Schallschutzelemente installiert worden. Laut Bühler sind Architekt Degelo und ein Akustiker mit weiteren Verbesserungen beauftragt worden. Man habe, sagt Dreier außerdem, 100 zusätzliche Stühle an die Tische gestellt, inzwischen würden diese jedoch nicht mehr benötigt.

UB-Direktorin Antje Kellersohn sagt, man habe mit bis zu 6000 Nutzern am Tag gerechnet, in den ersten Tagen seien es dann aber bis zu 12 000 gewesen; zwischen 20 Uhr und 8 Uhr morgens halten sich im Schnitt 500 Studierende in der UB auf. Inzwischen habe sich der Betrieb aber normalisiert, so Kellersohn.

Dennoch ist angesichts des neuen Rekords von mehr als 25 000 Immatrikulierten die Frage berechtigt: Hätte die UB nicht gleich größer gebaut werden müssen? "Mit Blick auf unsere Nutzungszahlen würde ich am liebsten eine größere Bibliothek mit noch mehr Arbeitsplätzen bauen", räumt Kellersohn ein. Sie weist aber auch darauf hin, dass es 60 weitere Fakultäts- und Institutsbibliotheken gibt.

Kritik von Behinderten

Das für die Belange Behinderter zuständige Asta-Referat "Studieren ohne Hürden" bemängelt, in die Planungen nie eingebunden gewesen zu sein. Es gebe zwar niedrigere Arbeitstische, diese seien jedoch nicht rollstuhlgerecht, da sie nicht verstellbar und nicht als Behindertenplätze markiert seien. Ungenügend sei auch das Blindenleitsystem: "Das ist wirklich halbherzig", findet Studierendenvertreter Andreas Hanka. Unisprecher Dreier verweist dagegen auf die zahlreichen blindengerechten Vorkehrungen wie gekennzeichneten Glaswände im Inneren.

Schlecht ist laut Hanka auch, dass es keinen separaten Ruheraum gebe, wohin sich Rollstuhlfahrer und psychisch beeinträchtigte Menschen zurückziehen könnten; laut Universität soll ein Eltern-Kind-Raum im ersten Stock als Ruheraum fungieren, wobei dieser (noch) nicht ausgewiesen ist.

Ein separater Eingang für Sehbehinderte an der Nordseite des Gebäudes, den diese ebenso mit einem Transponder öffnen können wie die Blinden- und Sehbehindertenarbeitsräume, funktioniert technisch noch nicht; die Benutzung der Drehtür ist für Sehbehinderte gefährlich. Hankas Fazit zur Barrierefreiheit des neuen Gebäudes: "Ich würde nicht von Inklusion sprechen."

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[Foto: Marius Buhl]