100 km/h, angenehme Geschwindigkeit

Felix

Wir haben eure kritischen Kommentare zur Vespa-Galerie letzte Woche erhört. Hier zeigen wir euch einen, der sich mit den Dingern wirklich auskennt. Einen Sammler aus Leidenschaft. Motor an für Markus Häußler, Chef des "Paradies" im Stühlinger.



Markus Häußler, Geschäftsführer des Restaurants "Paradies", hat seine Vespa-Leidenschaft naturgemäß in Italien gefunden. Bei Urlauben mit seinen Eltern hat er das Lebensgefühl kennen gelernt, das er seitdem mit dem Vespafahren verbindet. Mit 16 kaufte er sich seine erste Vespa. Er begann an der eigenen Maschine herum zu basteln, auch die Vespas von Freunden kamen unter seinen Schraubenschlüssel.


Zwei Jahre später erprobte er die neu gewonnene Unabhängigkeit mit einer größeren Tour nach Italien. Mit der Freundin und einem befreundeten Paar auf einer zweiten Vespa machte er sich Richtung Neapel auf. Drei Wochen fuhren sie über Giglio und Rom, zelteten unterwegs und genossen das Flair der Landstraße.



Nach einer längeren Pause hat ihn die Vespaleidenschaft vor zehn Jahren wieder gepackt. Seitdem zelebriert er nicht bloß die italienische Lebensart auf zwei Rädern, er ist auch ins Sammlergeschäft eingestiegen. Zehn Vespas besitzt der 36-jährige Familienvater. Als Sammler hat er sich angeblich schon einen Namen gemacht: „Ich muss nicht nach Angeboten suchen, die Leute kommen auf mich zu, wenn sie was Interessantes haben.“

Entscheidend beim Kauf eines Sammlerobjekts ist für ihn vor allem das Baujahr: „Je älter, desto besser.“ Außerdem muss darauf geachtet werden, dass die Basis in Ordnung ist, weder große Beulen noch Durchrostung aufweist.



Eine neu erstandene Vespa wird von Markus selbst komplett restauriert. Dafür zerlegt er die Maschine in alle Teile, poliert den Motor und lackiert das Blech. Die älteste Vespa, die er so restauriert hat, hat das Baujahr 56. Sie ist gleichzeitig sein Lieblingsstück. „Natürlich wegen des Alters.“ Weil sie aber eine relativ schwache Leistung und einen hohen Verbrauch hat, fährt er nicht oft darauf.

Die Vespa, auf der er am liebsten fährt, denn da gilt es beim Sammler zu unterscheiden, ist neueren Datums. Mit 150 cm³ Hubraum statt der gewöhnlichen 125 cm³ und 12 statt 5 PS hat sie eine deutliche höhere Leistung.



Gut 100 km/h kann man damit fahren, „eine angenehme Geschwindigkeit“, wie Markus berichtet. Vor allem schätzt er die Einfachheit der Vespa, ihre Zuverlässigkeit als Transportmittel. Das waren auch die Kriterien des Vespaherstellers Piaggio, der sich nach Kriegsende als Flugzeughersteller nach einem neuen Produkt umsehen musste.

Weil die Menschen in der Nachkriegszeit wenig Geld hatten, sollte es ein kostengünstiges Transportmittel sein, dessen verdeckter Motor die Hosenbeine seiner Benutzer nicht beschmutzte und so gut für die Stadt geeignet war. 1946 ging die erste Vespa vom Band und trat bald ihren Siegeszug durch ganz Europa an.



Der Name Vespa bedeutet Wespe auf italienisch und verdankt sich dem Surren des Motors und der taillierten Form der Maschine, die an jenes gelb-schwarz gestreifte Insekt erinnern. Heute wird die Vespa immer mehr von Rollern aus Plastik abgelöst, was den Liebhaber Markus nicht sonderlich freut. Ein Grund mehr, seine Schmuckstücke unlängst bei der Oldtimer-Show in Waldkirch auszustellen.

Aufgereiht bieten sie ihren blitzenden Chrom den interessierten Show-Besuchern dar. Eine der Vespas weist ein ungewöhnliches Detail auf: einen Kindersitz, in dem seit zwei Jahren Markus kleine Tochter mitfährt.

Einmal im Jahr fährt er nun mit Freunden für 5 Tage nach Italien. An diesen Vespatouren liebt er besonders das freie Fahrgefühl: „Sommerlich relaxed mit kurzer Hose und offenen Schuhen, keine schwere Lederkombi wie beim Motorrad.“



Auch könne man den Helm offen lassen, der ohnehin mehr Schmuckstück als Kopfschutz zu sein scheint.

Markus lehnt sich zurück, er schwärmt von Sonne und Wind im Gesicht. Während viele über den Klimawandel klagen, bedeutet er für den Vespafahrer mehr Sonnenstunden, in denen er „Dolce Vita“ auf zwei Rädern leben kann.