10 nackte Wahrheiten aus dem Vauban-Wohnheim: How to Sommerfest like a boss

Stefanie Sturm

Nackte, tanzende Menschen und Balkan-Musik? Ja, aber hinter einem Sommerfest im Vauban steckt noch mehr. Am 4. Juli feiert das Studentendorf Vauban das legendärste aller legendären Wohnheimssommerfeste. Wir haben mit den armen Schweinen geredet, die das ganze organisieren: How to Sommerfest like a boss?



1. Alkohol. Viel Alkohol.

Zum Sommerfest im Vauban kommen jedes Jahr um die 3000 Besucher - und die haben großen Durst. Da fließen locker 2500 Liter Bier, 240 Liter Wein und 100 Liter harter Scheiß in Kokosnüssen. Bedenkt bitte bei der Umrechnung auf den pro-Kopf-Konsum, dass von den 3000 Leuten auch ziemlich viele noch ziemlich klein sind, was den durchschnittlichen Konsum der erwachsenen Besucher ordentlich anhebt.

2. Frühe Vögel

So ein Sommerfest plant sich nicht über Nacht. Der Dorfrat beginnt jedes Jahr schon zur Weihnachtszeit mit der Organisation, die sich dann über das ganze Sommersemester zieht. Da sind Durchhaltevermögen und Voraussicht gefragt! Und man kann sich angesichts dieses Zeitraumes vorstellen, dass da richtig, richtig viel Arbeit dahinter steckt. Wer sich über zwei Semester hinweg in Studentendorf engagiert, kann dafür eventuell länger dort wohnen bleiben als eigentlich erlaubt - immerhin.



3. Sklaven

Natürlich steckt hinter dem Sommerfest in erster Linie menschlicher Schweiß. Insgesamt wirken jedes Jahr etwa 30 Personen mit - und keiner von denen bekommt auch nur einen Cent dafür. Die Hauptarbeit liegt beim Dorfrat und dann wären da noch die Künstler, die unbezahlt auftreten, Wohnheimsbewohner aus aller Welt, die Essen kochen und Kuchen backen und die vielen freiwilligen Helfer, die zum Beispiel hinter der Bar stehen und den Menschenansturm mit Wechselgeld und Bier bewerfen. Allerdings: Wer hilft, darf kostenlos Bierchen trinken und hat einen Heidenspaß.

4. Vitamin B

Kostenlose Musiker gibt es natürlich an jeder Ecke. Aber wer will, dass stundenlang gute Bands auftreten und DJs auflegen, oder dass auf der Open Stage Bühne rund um die Uhr Qualitäts-Shit geboten wird, der braucht vor allem eins: Kontakte. Natürlich ist ein Auftritt auf dem Sommerfest vor dem geilsten Publikum der Erde keine reine Selbstaufopferung – es macht auch krass Spaß. Von daher muss man die Leute wiederum auch nicht allzu lange bitten.



5. Gute Mienen zu bösen Spielen

Die schlechte Nachricht: Dieses Jahr ist um Mitternacht Schluss mit dem Feiern. Die Anwohner hassen uns. Gegen das arme Händelwohnheim hat sich schon ein Verein der Anwohner gegründet, der die Partys dort mit rechtlichen Schritten bekriegt. So sehr im Argen liegt es im Vauban zum Glück noch nicht, und das soll auch so bleiben. Die gute Nachricht: Wir sind nicht dumm! Wenn wir um 12 aufhören müssen, dann fangen wir halt früher an! Eingeläutet wird das Fest dieses Jahr mit einem Weißwurstfrühstück zu sagenhaft früher Stunde: 10 Uhr morgens!

6. Freaks

Ohne die wäre alles nur halb so schön. Und das Beste ist: jeder kann es werden! Wenn die Aufräum- und Putzarbeiten am nächsten Morgen, verkatert, nass und hungrig, nicht durch mit Besen tanzende, nur mit selbstgemachten Tarzan-Wickel-Shorts bekleidete Freaks aufgeheitert würde, wäre das ja kaum auszuhalten. Aber zum Glück ist es ganz einfach, selbst zum Freak zu werden und die Menschen glücklich zu machen: Man braucht nur einen Besen, eine gute Singstimme und die Kraft, sich von gesellschaftlichen Konventionen freisprechen zu können.



7. Bürokratische Tapferkeit

Vor zwei Jahren gab es eine baumgroße, neonfarben leuchtende, von Musik beschallte Techno-Rakete. Und dann kamen die Polizei, eine Anzeige und ein Bußgeld über 500 Euro. Seit dem wird das Fest ganz brav angemeldet, sogar mit Veranstaltungsversicherung. Die fragt vorher, auf welche Arten die Menschen auf dem Event sterben könnten: Ertrinken im Pool? Check. Verbrennen bei Feuershows? Check. Stürze von Balkonen? Check. So bedeutet ein offiziell angemeldetes Event vor allem eines: Viel, viel Papierkram.

8. Einen Jesus

Einher mit dem Papierkram geht die Verantwortung, die letztendlich von einer Person getragen werden muss. Deshalb braucht es hinter jedem offiziellen Event auch einen Jesus, der sich für die Feierlust der anderen aufopfert. Der muss dann auch mit der Polizei sprechen, sollte die denn kommen – was sie gar nicht mal immer tut! – und der muss die gruseligen Dokumente unterzeichnen.



9. Wachsamkeit

Eine der unschöneren Seite eines Sommerfests: Es wimmelt von Kleinkriminellen oder einfach nur besoffenen Studenten, die Bock auf Dummheiten haben. Es wird alles geklaut, was geklaut werden kann. Als Konsequenz daraus werden dieses Jahr die Lampen an die Bäume angekettet. Bei einen der früheren Feste vergrub man ein riesiges, sauteures Kabel im Boden, damit es in den wenigen Stunden Ruhe zwischen Ende der Party und offiziellem Abbau nicht gestohlen werden konnte. Hat nicht funktioniert. Wurde trotzdem geklaut. 800 Euro.

10. Moves

Ob auf der Technowiese, auf der Bühne, der Open Stage oder zu den Songs der Bands – wer nicht tanzt, verliert! Aber bitte keine falsche Coolness, wir sind nicht Berlin, wir sind Freiburg. Wer keine Ausdrucks-Tanzmoves vorweisen kann, sondern nur cool mit den Schultern zuckt, der ist besser in einem dunklen Club aufgehoben, wo man nicht gesehen werden kann.

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[Fotos: Franziska Tilke (2014)]