10 Jahre Wikipedia: Happy Birthday!

fudder-Redaktion

Happy Birthday, Wikipedia! Morgen feiert die englische Version der Wikipedia ihren zehnten Geburtstag. Seit Januar 2001 wurden für die Enzyklopädie, an der jeder mitarbeiten kann kann, 3,528,427 Artikel geschrieben. Die deutsche Version - im Mai 2001 gestartet - umfasst mittlerweile 1.175.699 Artikel. Wir können uns ein Leben ohne Wikipedia nicht mehr so richtig vorstellen. 7 kleine und größere Gedanken zu zehn Jahren Wikipedia:

  • Über nichts wird in der deutschen Wikipedia so gerne diskutiert wie über die Frage, ob ein neuer Text, ein Lemma, für die Enzyklopädie überhaupt relevant ist. Während dies in der englischen Wikipedia recht locker gehandhabt wird, und ein Thema im Zweifelsfall relevant ist (und selbst einzelne Folgen von Fernsehserien einzelne Beiträge erhalten), tendiert die deutsche Wikipedia zur extremen Strenge. Im Herbst 2009 - mitten in der Debatte zum Thema Zugangserschwerungsgesetz -  kickten die deutschen Wikipedia-Nutzer sowohl den Begriff 'Zensursula' als auch den Eintrag zum Verein Mogis - Mißbrauchsopfer gegen Internetsperren aus der Enzyklopädie. Ein Streit um die Relevanzkriterien brach aus - schaffte es von den Diskussionsseiten in die Mainstream-Medien.
 
  • Sex Bomb? Kennen wir. Als Song von Tom Jones. Aufgepasst: Wikipedia lehrte uns, dassSex Bomb auch der Name einer von amerikanischen Forschern geplanten Chemiewaffe ist. Die Wissenschaftler wollten 1994 eine nicht-tödliche Bombe bauen, sie sollte gegnerische Soldaten in sexuelle Ekstase versetzen. Und zwar so sehr, dass sie hemmungslos übereinander herfallen würden. Deswegen wird die Sex Bomb auch Gay Bomb genannt. In jedem Fall wären die Soldaten nach dem Bombenangriff nicht mehr kampffähig, also leicht zu überwältigen. Die Bombe wurde allerdings nie gebaut.

  • Großartig finden wir als badische Online-Plattform natürlich auch denSchwäbischen Gruß. Wir sind uns dabei aber noch nicht ganz so sicher, welche Version uns besser gefällt: Das schwäbische Original – „Legge me am Arsch“ – oder Goethes Goetz-Zitat – „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“ Wer Sido & Co. zu schnöde findet, wird an Mozarts Arschleck-Kanons gefallen finden, in denen es unter anderem heißt: „Leck mir den Arsch fein recht schön sauber.“ Und während sich das sogenannte Mooningnach einer neuen Trendsportart anhört, ist’s einfach nur das englische Wort für „den Hintern blank ziehen“. Und das seit 1601.
 
  • Im Februar 2009 verpasste ein Wikipedia-Autor deutschen Journalisten eine ordentliche Lehrstunde zum Thema "Warum gedankenloses Abschreiben von Wikipedia keine gute Idee ist". Am Abend vor der Vorstellung von Karl-Theodor zu Guttenberg als Wirtschaftsminister fügte er in die Endlosliste der Vornamen von zu Guttenberg einen weiteren hinzu: Wilhelm! Der CSU-Politiker hatte auf einmal nicht mehr zehn Vornamen, sondern elf. Und am nächsten Tag stand der neue Vornamen in so ziemlich jedem deutschen Medium.

  • Gab es ein Leben vor der Wikipedia? Scheinbar schon, aber fangen wir bei Null an. Ol’ Dirty Pliny a.k.a. Plinius der Ältere steuerte im 1. Jahrhundert nach Christus die Naturalis historia bei, die als erste Enzyklopädie gilt. Um 600 legte Easy Isidor (von Sevilla) seine 20-bändige Etymologiae vor, was für das finstere Mittelalter schon ziemlich helle war. Den Speculum maius von Vinzenz von Beauvais (13. Jahrhundert) überspringen wir aus Zeitmangel und kommen direkt zu einem der wichtigsten Druckerzeugnisse abseits von Perry Rhodan – der Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers von Diderot & Co. (18. Jahrhundert). Um wieder in bisschen abzukürzen: Ab 1768 gab’s die Encyclopædia Britannica, ab 1805 jenen papiernen Brocken, der fortan in jedem bürgerlichen Haus seinen Goldschnitt auf die Wissbegierigen warf. Die erste digitale Enzyklopädie war die schwachbrüstige Encarta von Microsoft. Und dann – 2001 – kam Wiki.
  • Der Netzforscher Clay Shirky schrieb 2008 über die Arbeitsstunden, die Menschen freiwillig, ohne Bezahlung in Wikipedia stecken:
    All of Wikipedia, the whole project — every page, every edit, every talk page, every line of code, in every language that Wikipedia exists in — that represents something like the cumulation of 100 million hours of human thought. I worked this out with Martin Wattenberg at IBM; it’s a back-of-the-envelope calculation, but it’s the right order of magnitude, about 100 million hours of thought.

    Wie cool! 100 Millionen Menschenstunden für die Allgemeinheit investiert! Für das Wissen der Welt! Wow! Die Zahl '100 Million hours' sieht weniger cool aus, wenn man sich vor Augen führt, dass 2010 JEDEN TAG 200 Millionen Stunden des Handy-Spiels Angry Birds gespielt werden. Würden alle Angry Bird-Spieler stattdessen Wikipedia füttern, gäbe es zwei neue Wikipedias am Tag. Wie sähe diese Wikipedia, diese Welt wohl aus?
 

Du bist gefragt!

Habt ihr einen Lieblings-Eintrag, einen liebsten Edit-War, ein schönstes Wikipedia-Erlebnis? Seid ihr in Schule oder Uni mit einem Wilhelm-mäßigen-Fehler aufgeflogen? Her mit Euren liebsten Gedanken und Erinnerungen an die ersten zehn Jahre mit der Online-Enzyklopädie.  

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  [Bild 1; Fotolia; Bild 2 und 3: dpa]