10 Jahre Rheimland: 5 Antworten von Marco Hoffmann

Daniel Weber

Seit zehn Jahren hält die Veranstaltungsplattform "Rheimland" für die Rapmusik die Fahnen hoch. Morgen wird das Jubiläum mit einer Graffiti-Jam in Betzenhausen und einer Party mit Headliner L-Boogie im Harmoniekeller gefeiert. Wir haben dem 32-jährigen Gründer Marco Hoffmann (Bild links) ein paar Fragen gestellt.




Seit zehn Jahren veranstaltest du nun mit der Marke „Rheimland“ Partys. Wie hat das damals angefangen?

Angefangen hat es in meiner Heimat Karlsruhe aus einer Bierlaune heraus. Ich habe damals in einem kleinen, hässlichen Club aufgelegt und dachte mir, man könnte doch auch in einem kleinen Club mehr Interessantes machen. So habe ich dann angefangen, selbst kleine Partys zu veranstalten und auch andere DJs zu buchen. Inzwischen lege ich selbst auch gar nicht mehr auf. Die Booking-Sache wurde dann immer größer und ich habe regelmäßig Partys veranstaltet. Nach knapp vier Jahren bin ich dann aufgrund meines Studiums nach Freiburg gekommen.

Was für eine Szene hast du hier vorgefunden?

Eine viel bessere als in Karlsruhe. Ich bin in Freiburg freundlich empfangen worden und habe gleich viele Kontakte geknüpft. Hier kennt ja jeder jeden. Nach wenigen Wochen habe ich schon die erste Party veranstaltet. Das lief gleich ganz gut und seit etwa vier Jahren organisiere ich die Rheimland-Partys zusammen mit Andreas Wieland, also DJ F-Dicz. Wir haben schon viele Partys veranstaltet und einige nationale DJ-Größen aus dem Hip-Hop-Bereich nach Freiburg geholt, sei es nun Torch oder DJ Sepalot vom Blumentopf. Eigene Partyreihen haben wir auch, etwa die Ratiophunk- oder Kellerfunk-Partys.

Wofür steht ihr als Rheimland?

Wir wollen einfach den echten, guten Hip Hop präsentieren. Rap aus der Goldenen Ära in den Neunzigern, Boom-Bap-Rap. Da geht es nicht nur um Musik, sondern mehr um ein Lebensgefühl. Rheimland ist damals auch mit Graffiti-Einflüssen entstanden. Ich war viel mit Sprühern unterwegs komme einfach aus dieser Szene. Genau diese Leute kommen dann auch auf die Partys. Um in der Hip-Hop-Sprache zu bleiben, kann man es so zusammenfassen: Von den Heads für die Heads. Es ist am Ende ja so, dass wir damit kein großes Geld verdienen. Natürlich schauen wir, dass wir mit der einen Party die nächste vorfinanzieren können. Aber mehr ist da nicht drin. In Freiburg ist es schwierig, mit Partys wirklich Geld zu verdienen. Es gibt viele Möglichkeiten, abends weg zu gehen. Viele Leute schauen da einfach nach dem billigsten Angebot und sehen nicht, was hinter einer Party für ein Aufwand steckt. Reelle Eintrittspreise kann man hier fast nicht verlangen. Partys zu veranstalten ist eine Herzblut-Sache.

Will das Publikum überhaupt noch Rap beim Weggehen hören?

Ja, wieder. Ich habe das Gefühl, dass die Leute das wirklich vermissen und richtig geil darauf sind. Es gibt ja nur noch dieses schlimme Mash-Up und Electro-Zeug überall zu hören. Zu unserem Jubiläum machen wir deshalb eine schöne Party mit gutem altem Rapzeug und am tagsüber in Betzenhausen noch eine Graffiti-Jam an der Wall Of FAme bei der Gaskugel am Autobahnzubringer, zu der wir viele Sprüher eingeladen haben. Wir stellen da ein paar Bierbänke und einen Grill auf und jeder bringt einfach was zu essen mit.

Wie geht´s nach dem Jubiläum bei Rheimland weiter?

Für mich wird diese Party ein Highlight und für eine gewisse Zeit vorerst mal die letzte, bei der ich selbst so richtig in den Planungen involviert bin. Ich wohne und arbeite ja in der Schweiz in Winterthur und studiere nebenher Wirtschaftsinformatik. Dieses Studium will ich bald beenden, das ist mein Ziel. Das kostet natürlich Zeit und Arbeit, die ich dann nicht mehr so in Partys in Freiburg investieren kann. Ich werde aber auf jeden Fall weiterhin Partys veranstalten. Ich muss das einfach machen. Ich kann nicht anders.

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