10 Gründe warum Bücher besser sind als E-Books

Laura Maria Drzymalla

Bis zu 1.400 Bücher kann man auf einem herkömmlichen E-Book-Reader speichern. fudder-Autorin Laura Maria Drzymalla, die neben dem Studium als Buchhändlerin arbeitet, reist trotzdem lieber mit echten Büchern im Gepäck in den Urlaub. Ihre zehn Gründe, warum sie Bücher mehr liebt als E-Books:



In neun Tagen ist es soweit – ich kann endlich an meine heißgebliebte süditalienische Küste. Salzgeruch auf der Haut, von Wassermelonen verklebte Gesichter, jede Menge Pasta und lesen am Strand. Zeit, mir langsam eine Liste mit den Büchern zu machen, die da unbedingt mit müssen. Aber – oh weh und Günstigfluglinie sei Dank - wir fliegen da mit dem Rucksack hin.


Ich müsste  mich meinem Geldbeutel und Rücken zuliebe wohl auf Reclamhefte beschränken, wenn ich das alles tragen soll. Mist. Unaufhaltsame Gedanken schießen mir leise und nicht zum ersten Mal in den Kopf... Vielleicht jetzt doch mal....? Soll ich etwa....? Muss ich mir jetzt tatsächlich... so einen E-Book-Reader holen?

"Ist ja ehrlich nicht unpraktisch," denk' ich mir da manchmal, und bezahlbar sind sie mittlerweile auch geworden. Akku, Display und Umblätterfunktion lassen einen Lesefluss quasi genauso zu wie eine Druckversion und das leichte Gewicht besticht ja in diesem speziellen Fall durchaus. Aber – ich kann mir nicht helfen – das sind keine Argumente für mich. Dafür habe ich zehn sehr gute Argumente für das gedruckte Buch.

1. Der Geruch

Es ist wahrscheinlich meinem Beruf als Buchhändlerin zu verdanken, aber es ist das erste was ich tue, wenn ich morgens in den Laden komme: Ganz tief einatmen. Mhhhh, Bücher duften tatsächlich einfach wunderbar - nach frisch geschnittenem Holz und Druckerschwärze. Und E-Books nicht. Sehr einfach eigentlich.

2. Das Aussuchen

„Sie, Fräulein, ich such' ein Buch.“ Oha und jawoll. Mein Einsatz. Immer schön für beide Parteien, da sowohl die Beratung für das richtige Buch als auch dessen Kauf im Anschluss eine meist tolle Begegnung sind. Der Download online ist menschlich wohl nur halb so spannend.

3. Das Bücherregal

Oh, was ist das für ein schönes Gefühl ein neues Buch in das Bücherregal zu stellen. Anhimmeln kann man es, umsortieren nach Verlag oder Autor und sich beim nächsten Umzug über die Masse beschweren – aber wie man sich freut, wenn man es dann wieder im neuen Zimmer einräumen darf!

4. Das Gefühl

Meine Bücher sehen grundsätzlich gelesen aus. Ein Eselsohr auf Seite 151, ein Kaffeefleck auf der Rückseite, eine geschriebene Postkarte meiner besten Freundin als Lesezeichen. Das Gefühl eines leichten Buches mit schwerem Inhalt, einer dicken Enzyklopädie oder eines ergrauten Leinencovers von 1960 – wie soll ein E-Book da mithalten?

5. Die Optik

Ja, ich verurteile manche Bücher nach ihrem Cover – manche Gestaltungen werden dem Inhalt leider nicht gerecht. Aber einige Verlage wiederum erschaffen reine Kunstwerke, mit aufwendig gestalteten Postern als Buchumschlag, Illustrationen, haptischer Schrift, hochwertigen Stoff- Einbänden oder farbigen Schnitten an den Buchseiten. Wo findet man die App dafür auf dem E-Book?



6. Das Ausleihen

Ich warte seit ein paar Wochen freudig auf den neuen tausenseitigen Donna Tartt - Roman, den meine Mitbewohnerin bei sich auf dem Nachttisch liegen hat. Ich bekomme ihn ausgeliehen, sobald sie damit fertig ist und – Hurra! -  es ist die gedruckte Version. Ein E-Book würde sie mir wahrscheinlich und bei aller Liebe nicht leihen können.

7. Das Geschenk

„Sie, Fräulein, verpacken Sie mir das Buch nett?“ Mit Vergnügen mach ich das, ein Buch ist als Geschenk nämlich auch oft meine erste Wahl. Einen Download nett einpacken kann ich allerdings nicht.

8. Der Flohmarkt

Das fluchende aber stolze Heimschleppen der Bücher, um die man gerade am Stand gefeilscht hat oder das Verkaufen der Bücher, die das Regal nicht mehr stemmen kann – beides eigentlich toll, oder? Günstiger bekommt man sie nirgendwo und im besten Fall kriegt man als Verkäufer noch ein paar Euro für die „alten Schinken“.

9. Das Arbeiten

Vor meinem Urlaub steht leider eine bis jetzt noch unfertige Hausarbeit an – Foucault und die Sprache des Wahnsinns. Meine panisch eingeklebten Post-its, neongelb gemarkerten Stellen, Ausrufe- und Fragezeichen an den Seitenrändern verleihen mir jedoch ein Gefühl des harten Arbeitens. Und das kann mir kein E-Book vorgaukeln.

10. Das Beeindrucken

Ich. Lese. Foucault. Oh ja! Zu guter Letzt gebe ich zu, dass ich nicht ungerne seine gesammelten Werke gelegentlich so auf dem Schreibtisch platziere, dass es jeder in meinem Zimmer sehen kann. In den beeindruckten Blicken sonne ich mich gerne solange, bis mir innerlich weinend klar wird, dass ich ihn tatsächlich lesen MUSS.

Tja. Was soll ich da nun tun? Ich kann wohl nicht aus meiner Haut und habe eben online noch Extragepäck bei meiner Fluglinie angemeldet. Vielleicht riechen meine Bücher ja danach ein bisschen nach Meersalz – ein guter Kompromiss, wie ich finde.

Dia Autorin

Laura Maria Drzymalla, 25, ist Buchhändlerin und Studentin. Laura liebt den Geruch von frischem Regen und hat chronische Sehnsucht nach dem Meer. Hohe Mathematik ist ihr verhasst, aber das Buch war schon seit der Kindheit ein Wegbegleiter.

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[Bild 1: James Tarbotton - Unsplash, © beornbjorn - Fotolia.com]