Daten

10 Fakten aus der Kriminalstatistik für Freiburg 2016

BZ-Redaktion

Viele Zahlen hat das Polizeipräsidium Freiburg bei seiner jährlichen Pressekonferenz zur Polizeistatistik präsentiert. Wir haben kurz und knapp zehn wichtige Fakten zusammengefasst.



1. Freiburg ist noch immer die kriminellste Stadt im Land.

Nirgendwo in Baden-Württemberg gibt es auf die Einwohner bezogen so viele Straftaten in Freiburg. Gemessen wird das mit der sogenannten Häufigkeitszahl. Die beträgt für die Stadt Freiburg 12.064 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Freiburg liegt damit vor Mannheim und Karlsruhe ganz vorne.



"Freiburg hat leider die Spitzenposition behalten", sagt Polizeivizepräsident Alfred Oschwald. Woran das liegt, dafür gibt es keine einfache Erklärung. "Wieviel Zeit haben sie für die Erklärung?" war Oschwalds Antwort auf diese Frage eines Journalisten, woran das liegt. Die Tatsache, dass Freiburg eine Grossstadt ist, die Menschen anzieht und eine Stadt, in der am Wochenende gefeiert wird, mag etwas damit zu tun haben.

2. Erstmals seit 2011 gibt es einen Rückgang der Straftaten

1130 Taten weniger als im Vorjahr, hat die Polizei Freiburg 2016 erfasst, das ist ein Minus von 4 Prozent. "Man kann von keiner Trendumkehr reden", sagte Polizeivizepräsident Oschwald. "Aber es ist schon mal was."

3. Zwei Drittel aller Straftaten werden aufgeklärt

Jede dritte Straftat wird nicht aufgeklärt, die Aufklärungsquote liegt bei 59 Prozent. Das ist etwas weniger (-1,2 Prozent) als im Vorjahr.

4. Im Jahr 2016 gab es ungewöhnlich viele Tötungsdelikte

2016 gab es in Freiburg ungewöhnlich viele Tötungsdelikte – insgesamt 15, das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 114 Prozent.



Neben dem Sexualmord an der Studentin Maria L. waren darunter Tötungsdelikte in der Familie und im sozialen Nahraum, eine fahrlässige Tötung und auch ein Schwangerschaftsabbruch.

5. Es gibt 2016 in Freiburg etwas weniger Gewaltkriminalität

Zur Gewaltkriminalität zählen Raub und räuberische Erpressung, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung und gefährliche und schwere Körperverletzung. 922 Fälle hat die Polizei Freiburg 2016 registriert – 36 weniger als 2015.



Dieser leichte Rückgang und eine erhöhte Aufklärung dieser Delikte sei ermutigend, meint die Polizei – es sei jedoch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen.

6. Es gibt mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Die Gesamtfallzahl ist zwar überschaubar, es gab 2016 mehr Staftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung als 2015 – 14 Fälle mehr wurden erfasst.

"Mir ist die Botschaft wichtig, dass hier auch viel mit drin ist, was kein klassisches Sexualdelikt ist, keine Vergewaltigung und kein Mißbrauch", sagte Kripochef Peter Egetemaier. "Nicht alles, was wir hierunter erfassen ist das besonders besorgniserregende Vergewaltigungsdelikt durch einen unbekannten Täter in der Öffentlichkeit." So seien allein 40 Fälle des Exhibitionismus in der Statistik.

61 Prozent der Sexualstraftaten wurde nach Angaben der Polizei aufgeklärt.

7. Es gibt einen Rückgang bei Diebstählen

Die Polizei stelle einen deutlichen Rückgang bei allen Arten des Diebstahls fest. 2016 erfassten sie 10.921 Fälle – 672 Fälle weniger, der erste Rückgang seit drei Jahren.

Fahrräder sind immer noch beliebtes Diebesgut:der Polizei wurden 2016 in Freiburg 1800 Fahrraddiebstähle gemeldet, statistisch gesehen werden also fünf Räder am Tag geklaut.

8. In der Altstadt passieren die meisten Gewalt- und Körperverletzungsdelikte

Die Top 5 der Stadtteile mit den meisten Gewalt und Körperverletzungsdelikten



Diese Zahlen müssten allerdings in Zusammenhang mit der Einwohnerzahl gesetzt werden, damit so die Häufigkeitszahl ermittelt werden kann.

Als ermutigend bewertete die Polizei, dass es in diesen Stadtteilen jedoch jeweils einen Rückgang der Fallzahlen gab. Besonders interessant: In der Altstadt sind besonders viele Täter alkoholisiert – 51 Prozent. In den anderen Stadtteilen bewegt sich ihr Anteil bei 25 bis 30 Prozent.

9. Bei mehr als 40 Prozent der Straftaten in Freiburg sind Nicht-Deutsche tatverdächtig

In Freiburg sind mehr Nicht-Deutsche unter den Tatverdächtigen, als im Landkreis: 42,8 Prozent haben keinen deutschen Pass. Von insgesamt 4443 tatverdächtigen Ausländern waren 1759 Asylbewerber beziehungsweise Flüchtlinge.
Die meisten tatverdächtigen Ausländer kamen aus Rumänien (7,8 Prozent), Syrien (6,7 Prozent), Türkei (6,1 Prozent), Gambia (5,7 Prozent), und Italien (4,8 Prozent). Von den 579 sogenannten Rohheitsdelikten, an denen Asylsuchende beteiligt waren, haben sich 43 Prozent innerhalb der Asylunterkünften abgespielt.

10. Es gibt mehr Wohnungseinbrüche – und noch immer werden sehr wenige aufgeklärt

446 Wohnungseinbrüche hat die Polizei 2016 registriert – 12,9 Prozent mehr als im Vorjahr und deutlich über als der Zehnjahresdurchschnitt von 410 Fällen. Nur 8,7 Prozent der Wohnungseinbrüche wurden aufgeklärt. Gestiegen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Brühl, Herdern, Mooswald, Stühlinger und Zähringen.


Was muss man über die Polizeiliche Kriminalstatistik wissen?

Die Kriminalitätsstatistik der Polizei beinhaltet die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten – und wird daher nicht nur vom tatsächlichen Kriminalitätsaufkommen beeinflusst, sondern auch vom Anzeigeverhalten Betroffener, von der Ermittlungsarbeit der Polizei ("Holkriminalität") und von Strafrechtsänderung. "Wir bilden die erfasste Kriminalitätslage ab, das muss nicht immer die objektive sein", sagte Polizeipräsident Bernhard Rotzinger bei der Pressekonferenz am Dienstag.
Wir haben hier jeweils mit Zahlen ohne die Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsrecht gearbeitet.

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