1:4-Klatsche gegen Dortmund: Fans machen Stimmung gegen Trainer Sorg

Amelie Herberg

Nach dem 0:4-Debakel gegen Köln kassierte der SC Freiburg auch am Samstagnachmittag vier Gegentore. Der Sportclub verabschiedete sich von seinen Fans mit einem 1:4 gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund in die Weihnachtspause. Von besinnlicher Stimmung war auf Nord am Samstag daher nicht viel zu spüren.



Die Botschaft war eindeutig. Während das Spiel noch lief, stimmten einige Fans auf Nord immer wieder einen kurzen, aber knackigen Sprechgesang an. Wenn auch andere es mit Pfiffen zu übertönen versuchten, blieb die Botschaft für alle im Stadion doch gut hörbar. Auch als Schiedsrichter Günter Perl um 17.20 Uhr das letzte Heimspiel des SC in diesem Jahr 2011 abpfiff. "Sorg muss gehen, Sorg muss gehen, Sorg muss gehen!", schallte es immer wieder von Nord. Gesungen auf die Melodie, mit der sonst die Einwechslung von Dembelé gefordert wird. Den Freiburger Spielern, die sich trotzdem noch in Richtung der Fans trauten, wurde ein Pfeifkonzert entgegen gefeuert. Einzig Torhüter Oliver Baumann wurde mit Applaus vom Feld verabschiedet.


Am Montag hatten Fans und Spieler bei der Weihnachtsfeier noch gemeinsam im Jazzhaus gefeiert, doch seit diesem Samstagnachmittag ist klar: Die Stimmung wird angesichts Tabellenplatz 18 nach der Hinrunde langsam aber sicher ungemütlich. Dabei wäre mit Glühwein am Bierstand, einigen Fans im Weihnachtsmann-Kostüm und Weihnachtssmusik über die Lautsprecher (der Stadionsprecher sprach von "Weihnachtsstimmung  mit aller Gewalt") alles für einen versöhnlichen Jahresausklang möglich gewesen. Mit Wunderkerzen und leichtem Schneeregen zum Anpfiff hätte die Adventsstimmung nicht schöner sein können. Wäre eben nicht der Spielausgang gewesen.

Dabei hatte es zwischenzeitlich gegen den Tabellenzweiten aus Dortmund, dem einige Stammspieler wie Götze und Bender fehlten, gut ausgesehen. Die erste Chance für Freiburg hatte Putsila gleich in der 5. Minute, als er aus gut 16 Metern links am Tor vorbei schoss. Zwei Minuten später machte es der Borusse Lewandowski besser, der nach einem Pass von Kagawa, weitgehend ungestört von der Freiburger Abwehr aus kurzer Distanz zum 1:0 traf. Dortmund war die bessere Mannschaft, blieb aber unter seinen Möglichkeiten. Wenn Freiburg versuchte zu kontern, führten die Pässe allerdings wie so oft im gegnerischen Strafraum ins Leere. Oder direkt auf den Fuß eines Dortmunders.

"Wir woll'n euch kämpfen sehen"
, riefen die Fans auf Nord und obwohl der BVB weiterhin überlegen war, kämpfte sich Freiburg tatsächlich zurück. Rosenthal fasste sich in der 34. Minute nach einem Doppelpass mit Putsila ein Herz und zog aus gut 10 Metern zum 1:1 ab. Zehn Minuten später war es jedoch ausgerechnet Rosenthal, der mit einem missglückten Fehlpass auf Dortmunds Kuba die gegnerische Führung einleitete.

Obwohl der Linienrichter eigentlich ein Abseits angezeigt hatte, ließ Schiedsrichter Günther Perl weiter spielen. Kuba passte auf Gündogan, der zum 2:1 einschob. Schiedsrichter Perl gab den Treffer - trotz lauter Proteste von Freiburger Fans und Spielern. Als er nach der zweiten Halbzeit zurück aufs Spielfeld kehrte, wurde er mit einem gellenden Pfeifkonzert der Fans begrüßt. Das konnte auch Mariah Careys "All I want for christmas is you" über die Lautsprecher nicht übertönen. Weihnachtsstimmung mit aller Gewalt funktioniert eben nicht immer.



Für die entsprechende Beleuchtung sorgten allenfalls die Dortmunder, die mit Beginn der zweiten Halbzeit bengalisches Feuer anzündeten und den Spielbeginn um einige Minuten verzögerten. Trotz des Rückstands zeigte der SC in Halbzeit zwei durchaus gute Ansätze, vor allem Caliguiri auf rechts, dessen Kopfball kurz nach Wiederanpfiff beinahe zum 2:2 in Weidenfellers Tor gelandet wäre. Doch während der SC seine Chancen nicht nutzte, blieb der BVB konsequent. Zunächst traf Großkreutz in der 59. Minute zum 1:3 nach einem Fehler von Bastians, dann erhöhte Lewandowski zum 4:1-Endstand für den BVB. Und die "Sorg muss gehen, Sorg muss gehen, Sorg muss gehen!"-Rufe wurden immer lauter.

Lennart Keller
(9) aus Aach stand bereits vor dem Anpfiff am Gitter vor der Nordtribüne mit einem kleinen Pappschild. Mit schwarzem Edding und in Grundschul-Schreibschrift stand auch darauf die eindeutige Botschaft geschrieben: "Sorg muss weg!" Nur wer stattdessen kommen soll, wusste Lennart nicht so genau. "Es wäre toll, wenn Robin Dutt einfach wieder den SC trainieren könnte.", sagte er.

Damit spricht er wohl vielen SC-Fans und an diesem Nachmittag vielleicht auch dem ehemaligen Freiburger Trainer selbst aus der Seele. Denn der kassierte mit seinem neuen Verein Bayer 04 Leverkusen zeitgleich eine 0:3-Niederlage zuhause gegen den 1. FC Nürnberg. Auch ihm dürfte die Weihnachtsstimmung also vermiest sein.



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[Bild 1 und 2: dpa; Bild 3: Amelie Herberg]