1:0 gegen Mainz: Eine blitzsaubere Kollektivleistung

Clemens Geißler

Eine überzeugende Mannschaftsleistung und großer Einsatz waren gestern die Garanten zum wichtigen und verdienten Heimsieg über den Tabellenzweiten aus Rheinhessen. Das Tor des Tages schoss einmal mehr Papiss Demba Cissé per Foulelefmeter.



Die Aufeinandertreffen mit den Mainzern waren aus Freiburger Sicht in jüngster Zeit häufig Schicksalsspiele. Noch in Liga zwei musste man in der Endphase der Saison als Tabellenführer zum damaligen Zweiten vom Bruchweg reisen, gewann und stieg letztlich auf. Und in der vergangenen Saison bedeutete der damalige Sieg über den selbsternannten Karnevalsverein den Wendepunkt einer fast schon verlorenen Runde.


Auf ganz so hoher Flamme wurde das gestrighe Match natürlich nicht gekocht; gleichwohl stand zu befürchten, der Sportclub würde nach einem guten Start bei einem Misserfolg schnell wieder in die Niederungen der Tabelle zurückrutschen: angesichts der nächsten Gegner kein besonders unrealistisches Szenario!

Aber nun hat es gestern zu dem erhofften Dreier gereicht. In einer an Chancen bettelarmen ersten Hälfte freilich wirkt der Sportclub nach vorn lange Zeit nicht wirklich zielstrebig. Mainz zwar auch nicht, steht aber immerhin häufiger vor dem Breisgauer Kasten: 1-5 Ecken zur Halbzeit.

Doch den schönsten Spielzug präsentiert die Heimelf: Fünf Minuten vor der Pause gibt es eine ansehnliche Kombination zwischen Cissé und Abdessadki zu bestaunen, dessen Flanke Rosenthal nicht voll trifft und nur noch auf das Mainzer Gehäuse schießt. Überhaupt entschädigt diese druckvolle Endphase der ersten Hälfte für den phasenweisen Leerlauf auf dem Feld.



Schwungvoll hingegen beginnen beide Teams nach der Pause. Schusters Schuss links neben das Tor und Makiadis Versuch, den Wetklo mit dem Fuß abwehrt, sind immerhin schon mal zwei Strafraumszenen. Aber immer noch fallen die Tore anderswo: Gladbach-Bayern 2:2.

Nun setzt auch der insgesamt blasse Tabellenzweite ein dickes Ausrufezeichen. Noveskis Kopfball streicht um Haaresbreite an Baumanns Kasten vorbei. Insbesondere – oder besser gesagt: am heutigen Tag eigentlich nur - bei Standards geht von den Rheinhessen große Gefahr aus. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Dutt-Akteure zu viele Fouls in Strafraumnähe begehen und dass Oliver Baumann heute nicht in jeder Situation die Lufthoheit für sich beanspruchen kann.

Mitten in dieses erste erschreckte Haareraufen hinein zeigt Schiedsrichter Stark auf den ominösen Punkt. Der Mainzer Bungert hatte Barth ziemlich offensichtlich umgerissen. Cissé lässt sich nicht zwei Mal bitten und erzielt die vielumjubelte Führung: 65. Minute 1:0. Besonders stark ist dieser Strafstoß zwar eigentlich nicht geschossen, aber wenn es für einen Stürmer läuft, ist man eben geneigt zu sagen: „Den hat er eiskalt ausgeguckt!“



Die Partie entwickelt sich fortan zu einem munteren Kräftemessen: Das Übergewicht liegt nun etwas bei den Gästen, die von ihrer in der bisherigen Runde unter Beweis gestellten Brillanz allerdings einiges vermissen lassen. Sie scheinen nicht wirklich damit zurechtzukommen, dass die Breisgauer um jeden Zentimeter Boden fighten und gelangen meist nur nach ruhenden Bällen in die Gefahrenzone.

Der Sportclub verlegt sich aufs Konterspiel, wenngleich die letzte Konsequenz fehlt. Reisinger – vom Publikum nach seiner guten Partie in München hoffnungsvoll begrüßt - tritt zwei Mal in Erscheinung: Ein Schuss von halbrechts und ein etwas zu hoch angesetzter Fallrückzieher sorgen für beste Laune auf den komplett ausverkauften Heimrängen.

Auf der Nordtribüne wird eine Gasse gebildet; zu beiden Seiten derselben skandiert man sich im Wechsel Gesänge zu, die irgendwann wieder vereint erklingen. Gleichzeitig stürmt man aufeinander zu, rammt sich über die Stufen oder prügelt dem Gegenüber seinen Humpen vor den Latz.

Zum Glück präsentiert sich da die einheimische Abwehr – von den Gästen aber auch nicht konsequent gefordert – in der Endphase des Spiels sortierter. Die Kette steht gut, davor wird jeder Zweikampf gesucht und oft gewonnen, und wenn es gar nicht anders geht, drischt man das Leder eben auch mal Richtung Strandbad.

Am Ende sieht also alles gut aus an der Dreisam: Einen starken Gegner mit allen Mitteln niedergerungen, zum richtigen Zeitpunkt das Tor gemacht und schon ist die Saisonbilanz wieder positiv: 18 Punkte aus 11 Spielen sind eine Marke und bedeuten Stand Samstag 17:15 Rang 8 der Tabelle. Damit lässt man die Bayern wieder hinter sich und hat sogar Tuchfühlung auf die internationalen Plätze.

Will sich das Breisgauer Antlitz noch ein wenig in dieser Höhenluft sonnen, bedarf es jetzt einiger sogenannter Bonuspunkte. Dazu ist in Hoffenheim eine gute Gelegenheit.